14. Juni: Letzte Etappe – von Guarda nach Zernez, am Inn entlang

Zufluss zum Inn in SUSCH

Im Hotel ist eine Gruppe von Amerikanern angereist, die eine Menge Unruhe erzeugen – besonders beim bislang so gemütlichen Frühstück. Menschen, die direkt vorm Buffet-Tisch essen und in einer Gruppe palavernd vor der Kaffeemaschine stehen und gleich dort trinken, die gehen mir auf gut deutsch gesagt auf den Keks.

Also verlasse ich das Frühstücksgeschehen recht bald, sehne mich nach Ruhe und gehe vor der Abfahrt meines Busses nochmal kurz rüber in die Klosterkirche. Noch ist kein Mensch da, und ich kann mich in dem ruhigen Ambiente etwas sammeln…:

… vor meiner für heute angesetzten sechsten Jakobsweg-Etappe.

Danach geht’s über den OFENPASS und  ZERNEZ nach GUARDA, wo gestern meine Wanderung endete. Über mehrere hundert Höhenmeter führt von dort eine fast fünf Kilometer lange Straße hinunter bis nach LAVIN, das direkt am Inn liegt:

Es ist noch ziemlich still in den Straßen und auf dem Dorfplatz…:

… das ändert sich erst, als ich die flussnahen „Gärten des Inn“ erreiche. Ab jetzt begleitet mich für die nächsten 11 Kilometer das Rauschen des Flusses:

Lavin – aus den Gärten des Inn gesehen

Eine der auffälligsten Pflanzen in dem blühenden Inferno am Wegesrand ist der Schlangenknöterich:

Nach gut fünf Kilometern stehe ich vor den Toren des entzückenden Ortes SUSCH:

Bislang sind mir zwischen den Orten maximal zehn Personen begegnet. Meist Radfahrer, die den INN-RADWEG Richtung Passau befahren. Und die Vogelwelt zwitschert sich die Seele aus dem Leib, wie bei uns im April. Die Temperaturen liegen bei Zehn Grad – sind somit ideal zum Wandern. Übrigens sind kurze Wintereinbrüche mit Schneefall auf dieser Höhe (1500 m) keine Seltenheit. Der neue Schneepflug ist immer einsatzbereit:

Susch hat ein supermodernes Museum, das glatt einer Großstadt genügen würde. Überhaupt scheint hier kulturell Einiges geboten zu werden, u. a. Sgraffito-Kurse. Als Sgraffito wird die altüberbrachte Technik der Häuserbemalung verstanden, die für das Engadin sehr typisch ist – siehe das Haus im Hintergrund:

Mit dem erhofften „Znüni“ (Neun-Uhr-Pause) wird das leider nichts, denn es ist bereits 12:10 Uhr, und alle Läden haben bis 14 Uhr geschlossen. Eine sehr schöne Einrichtung für die Ladenbesitzer und die Angestellten, finde ich. Das war früher bei uns auch so:

Weiter geht mein Weg nach ZERNEZ. Immer wenn ich gerade denke, es müsste mal etwas passieren, fährt auf der anderen Seite des Inn die Rhätische Bahn vorbei. Genau über diese Trasse beginnt morgen meine Heimreise:

Ankunft am Bahnhof in Zernez. Und natürlich steht da bereits mein Postauto nach Müstair – den Fahrer kenne ich schon:

Meine Wanderung durchs Unterengadin ist damit beendet. 95 Kilometer haben sich addiert, die erklommenen Höhenmeter habe ich nicht mitgezählt…

 

 

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