12. August, abends: Die (partielle) Sofi und ich…

… wir finden uns beide gegen 19:20 Uhr in der Höhle der Löwen – sprich: auf der Westerländer Strandpromenade – ein.

Dort, zwischen Strand- und Friedrichstraße, haben sich, über den Daumen gepeilt, fünftausend Menschen eingefunden…:

… die dem seit Monaten annoncierten Naturschauspiel gespannt – oder auch entspannt – entgegenfiebern:

In den vergangenen Tagen wurde ich immer wieder gefragt, ob ich denn auch die Sonnenfinsternis fotografieren würde. Meine Antwort darauf, durchaus etwas griesgrämig: „Mal sehen, weiß noch nicht.“ Ich bin ja schließlich kein Astronom, sondern Landschaftsfotograf – und meine Aufgabe/mein Bestreben ist es damit, Landschaft und Atmosphäre in gekonnter Weise zu einem gefühlten Kunstwerk zu verbinden… zum Beispiel dadurch, dass ich die bei partiellen Sonnenfinsternissen gelegentlich auftretende außerplanetarische Lichtstimmung für ein Foto verwerte. Außerdem vermeidet man es in der professionellen Fotografie – seltene Ausnahmen ausgenommen – stets, direkt in die Sonne zu knipsen. Derartige Murksfotos machen nur Anfänger, mal unter uns gesprochen. Schließlich bedarf es eines gigantischen Glücks, genau die passenden Wolken vorzufinden, die eben jene Durchlässigkeit besitzen, die die Abschattung der Sonne durch den Mond überhaupt abbildbar macht. Und genau dafür sieht es heute – Glück sei Dank – gar nicht so schlecht aus. Da sind sich Sofi und Hans mal einig:

Im Gegensatz zu mir sind die meisten der Promenadengäste profimäßig ausgerüstet, mit Sofi-Brillen zum Beispiel, an denen sich der findige Chef eines Westerländer Brillenladens in den vergangenen Tagen wohl dumm und dusselig verdient haben dürfte – zumal er diese ausschließlich im Doppelpack anbot. Leute erzählen mir, es hätte dort im Ladenfenster schon seit Tagen ein Schild gestanden: SOFI-BRILLEN AUSVERKAUFT:

Wie es der Zufall will, begegnet mir eine mir gewogene junge Verkäuferin vom Café Wien, die noch gerade ein solches Doppelpack ergattern konnte – und weiß nicht, wohin mit der zweiten Brille… DAAA helfe ich doch gerne, und sehe kurze Zeit später erstmals den scharfen Abschattungsbogen, den der unsichtbare Mond auf der Sonnenoberfläche hinterlässt. Und genau das sehen meine 4999 Mitbegeisterten wohl auch gerade:

… oder auch nicht – wir leben ja in einem freien Land, und jede(r) kann hingucken, wo er/sie will:

Das Gros der Gäste wird im übrigen beschallt von den Klängen des Kur-Orchesters, das unter anderem die ‚Mondschein-Sonate‘ intoniert – was zwar nicht so ganz schlüssig zum Naturschauspiel passt, aber nichtsdestoweniger in einem fast frenetischen Applaus mündet:

Andere halten Abstand zu dieser Art akkustischer Überreizung und nutzen das Zusammenkommen unter den zunehmend kümmerlich werdenden Strahlen der Sonne zu vertiefenden Gesprächen…:

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… über das Sein und Nichtsein, wäre diesbezüglich meine Vermutung.

Währenddessen habe ich mir von Berufeneren abgeguckt, wie man zu dem superschrägsten Sofi-Foto kommt: Man hält die Sofi-Brille vor das Objektiv – und löst einfach aus, siehe daaa:

Bei dieser Aufnahme, um 20:50 Uhr, geht das Himmelsschauspiel so langsam dem Ende entgegen, das uns alle die zurückliegenden 90 Minuten zu begeistern vermochte.

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