{"id":249,"date":"2017-02-26T18:56:02","date_gmt":"2017-02-26T18:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/?p=249"},"modified":"2017-02-26T20:35:35","modified_gmt":"2017-02-26T20:35:35","slug":"rueckreise-nach-sylt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/rueckreise-nach-sylt\/","title":{"rendered":"R\u00fcckreise nach Sylt"},"content":{"rendered":"<p>Jajaja \u2013 ich komm`ja schon! Bin aufm R\u00fcckweg nach Sylt und sitze in einem der \u201echarmanten\u201c (Lieblingsattribut Sylter Immobilienmakler f\u00fcr \u2013 eigentlich \u2013 unverk\u00e4ufliche Schrottklitschen) 70er Jahre Waggons der DB&#8230; und versuche, nach drau\u00dfen zu blicken. DAS gelingt eher nicht. Daf\u00fcr werde ich aufmerksam auf einen Schriftbeitrag aus dem \u201ewirklich wahren Leben\u201c, der nicht ohne K\u00f6nnerschaft \u2013 immerhin spiegelverkehrt \u2013 auf die verkleisterte Au\u00dfenscheibe gemalt wurde. Die Schreibweise \u2013 PENIZ \u2013 l\u00e4sst mich zun\u00e4chst eine weitere t\u00fcrkisch-muslimische Attacke auf unsere freiheitlich-demokratischen Grundwerte bef\u00fcrchten&#8230;, hinter Husum neige ich nun eher zu der Vermutung, dass die Umdrehung eines `S` dem unbekannten K\u00fcnstler aus uns unbekannten Gr\u00fcnden leider misslang. Egal.<\/p>\n<p>Niemanden wird es \u00fcberraschen, dass das Herz des Bloggers bei der Anreise nach Sylt mit jedem absolvierten Bahnkilometer h\u00f6her schl\u00e4gt. Es gibt ja, \u00fcber die Jahrhunderte gesammelt und in jedem Reisef\u00fchrer, jeder Touristen-Gazette und sogar literarisch anspruchsvolleren Sylt-Ann\u00e4herungen x-fach verbraten, die anr\u00fchrendsten Erg\u00fcsse \u00fcber von Sylt-Freunden durchlebte Aufwallungen bei der Ann\u00e4herung an die Insel. Diese sollen hier nicht wiederholt werden. Stellvertretend sei ein Blick auf die vergleichsweise minder interessierten Mitreisenden erlaubt:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-261\" src=\"http:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Die-lieben-Mitreisenden-1-300x169.jpg\" width=\"600\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Die-lieben-Mitreisenden-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Die-lieben-Mitreisenden-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Die-lieben-Mitreisenden-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/jessel.de\/365-tage-sylt\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Die-lieben-Mitreisenden-1.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Nun ist dieser Blog noch keine Woche alt, da sammeln sich bereits einige mitteilungswerte Erlebnisse, die ich am besten mal in zeitlicher Abfolge an Euch weiter reiche:<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dferen Wirbel veranstaltete mein Selbstportrait neben dem Morsumer Reetbult, insbesondere als dieses zur Ank\u00fcndigung des Blogs im Titel auf der &#8222;Sylter Rundschau&#8220; erschien. Hierbei interessierte meine Anwesenheit weniger, vielmehr konstatierten einige Kommentatoren, dass die Morsumer Biike aber auch nicht mehr das sei, was sie fr\u00fcher mal gewesen war.<\/p>\n<p>Als ich am 18. Februar den Westerl\u00e4nder Hinterhof fotografiere (Wohnungen(1)), erscheint wie aus dem Nichts ein \u00e4lterer Herr in urban-modischem Outfit, blickt sichtbar angefasst auf mein angestrengtes Treiben mit Stativ und Shift-Objektiv, kommt Schritt f\u00fcr Schritt n\u00e4her, beginnt schlie\u00dflich mit den Armen zu fuchteln, als wolle er mir einen Weg beschreiben. Schlie\u00dflich sein Wortbeitrag in geschliffenem Berlinisch-Neuk\u00f6lln&#8217;scher Dialekt: &#8222;Wenn Sie den Sonnenuntergang fotografieren wollen, m\u00fcssen Sie daaa l\u00e4ngs gehen!&#8220; Und seine herumwirbelnden Arme versuchen mir den Weg zum Strand zu erl\u00e4utern, hinaus aus dem urbanen Gro\u00dfstadt-Dschungel dieses Westerl\u00e4nder Kleinods.<\/p>\n<p>Mein Magen knurrt, als ich beim fotografischen Herumstreifen in Westerlands City durch das Fenster eines Fischgesch\u00e4fts auf einige frisch ger\u00e4ucherte B\u00fccklinge blicke. Die machen mich schwach. Ich also rein: &#8222;K\u00f6nnen Sie mir einen gro\u00dfen oder zwei kleine B\u00fccklinge einpacken?&#8220; frage ich einen Angestellten. Die Antwort kommt prompt: &#8222;Die sind alle gleich gro\u00df!&#8220; Der gedrungene, aufgrund fortgeschrittenen Haarausfalls nicht mehr ganz jugendlich aussehende Verk\u00e4ufer blickt ostentativ zum Fenster hinaus, obwohl mittlerweile die rabenschwarze Nacht durch Westerlands Stra\u00dfen wabert &#8211; und demzufolge dort drau\u00dfen durch das grell erleuchtete Auslagenfenster nichts mehr zu erkennen ist. Ich blicke unterdes auf 25 ger\u00e4ucherte B\u00fccklinge herunter, die sich wie eine B\u00fcckling-Gro\u00dffamilie &#8211; vom Kleinkind bis zum Greis, vom Jung-Astheniker bis zum adip\u00f6sen Gro\u00dfneffen &#8211; \u00a0also in allen biologisch darstellbaren Gr\u00f6\u00dfen mit anderen Worten, weiterhin frisch ger\u00e4uchert in der Beleuchtung r\u00e4keln.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege kurz, ob ich dieser offenkundigen Frechheit mit einem beherzten P\u00f6bel-Anfall entgegen treten sollte, zumal die anderen Kunden im Laden dieses problemlos als Urlaubsh\u00f6hepunkt verbuchen k\u00f6nnten, h\u00e4tten sie doch &#8222;das wirklich wahre Sylt&#8220; kennen gelernt, wie es in diesem Blog gro\u00dfspurig versprochen wurde.<\/p>\n<p>Da h\u00f6re ich \u00fcberraschend eine Innere Stimme, die mir zuraunt, dass dieser arme Kerl von Verk\u00e4ufer heute morgen aufgrund der grassierenden Zugausf\u00e4lle mit reichlich zweist\u00fcndiger Versp\u00e4tung im Laden erschienen sei, worauf er seinen Anranzer des Tages, inklusive Niedrigstlohn-K\u00fcrzung, schon l\u00e4ngst genossen h\u00e4tte. Die Innere Stimme berichtet mir weiter, dass die abg\u00e4ngige Ehefrau des Verk\u00e4ufers heute morgen nicht nur dessen Brille w\u00e4hrend eines Zwistes zertreten, sondern ihm im anschlie\u00dfenden Handgemenge auch noch eines B\u00fcschels seiner Restbehaarung beraubt h\u00e4tte, um daraufhin wutschnaubend und &#8222;f\u00fcr immer&#8220; zu entschwinden &#8211; mit dem entrissenen Andenken noch in H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Und hinter vorgehaltener Hand erz\u00e4hlt mir meine Innere Stimme zu guter Letzt, dass unser Delinquent nach Verlassen des Hauses hinter sich einen lauten Knall vernommen h\u00e4tte. Trotz des Versprechens n\u00e4mlich, niemals wieder zur\u00fcck zu kehren, sei dieses Luder kurz entschlossen ins Haus zur\u00fcck gekehrt und h\u00e4tte seinen Lieblings-Guppy (Poecilia reticulata) im Aquarium erschossen.<\/p>\n<p>Wisst Ihr was, Freunde? Ich bin ja kein Unmensch. Deshalb habe ich des Ungl\u00fccklichen Hand zum rechten B\u00fcckling gef\u00fchrt, meine \u20ac 1,10 ohne weitere Provokationen bezahlt, und bin meines Weges \u2013 Richtung nach Hause also \u2013 gezogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jajaja \u2013 ich komm`ja schon! Bin aufm R\u00fcckweg nach Sylt und sitze in einem der \u201echarmanten\u201c (Lieblingsattribut Sylter Immobilienmakler f\u00fcr \u2013 eigentlich \u2013 unverk\u00e4ufliche Schrottklitschen) 70er Jahre Waggons der DB&#8230; und versuche, nach drau\u00dfen zu blicken. DAS gelingt eher nicht. Daf\u00fcr werde ich aufmerksam auf einen Schriftbeitrag aus dem \u201ewirklich wahren Leben\u201c, der nicht ohne K\u00f6nnerschaft \u2013 immerhin spiegelverkehrt \u2013 auf die verkleisterte Au\u00dfenscheibe gemalt wurde. 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