31. Mai: Und tschüssikowski!

Foto: SvB


Es ist mit dem heutigen Tag vierzehn Jahre her, dass ich – damals noch mit meiner wunderbaren „STREETMACHINE“, einem Liegerad von HP Velotechnik – in der nordspanischen Großstadt BURGOS vor der weltberühmten Kathedrale eintrudelte – auf meiner Tour „VON SYLT NACH SANTIAGO“. Erstmals auf meinen Reisen schrieb ich einen Blog, allerdings nur an ca. zwanzig engste Freunde und Familienmitglieder – per Gruppenmail.

Und dieser Blog/Reisebericht hiess eigentlich „VON LIST NACH LAGOS“, war es doch mein ursprüngliches Anliegen, in mein Lieblingsland Portugal zu radeln, und dort natürlich in meinen Lieblingsort – mir bekannt seit meinen Interrail-Touren in den mid-1970ern.

Bei meinen Vor-Recherchen stieß ich immer wieder auf spirituell aufgeladene Reiseberichte, die ihren Anfang allesamt in dem mir unbekannten Pyrenäen-Dorf ‚ST. JEAN-PIED-DE-PORT‘ nahmen… und in einer paradiesischen Stadt namens ‚SANTIAGO DE COMPOSTELA‘ endeten. Diese Hymnen fingen mich schnell ein, denn nach dem Tode meiner Mutter im Dezember 2011 fehlte mir ein bedeutendes Stück Boden unter den Füßen. Und eine Innere Stimme drängte zu einer heimatfernen Bewegungstherapie bewusst erschöpfenden Charakters von über dreitausend Kilometern.

So entschied ich mich, mal vorbeizuschauen in diesem SJPdP… der Ort liegt ja sozusagen direkt auf dem Weg zwischen List und Lagos. Dort angekommen wurde ich zunächst belohnt mit einer nie gekannten positiven Aufbruchsstimmung tausender von Pilgern, die sich für mich erstaunlicherweise nicht wie touristische Nervbüdel, sondern wie Brüder und Schwestern im Geiste anfühlten. Und zum Zweiten – bei der frühmorgendlichen Weiterfahrt auf steilen Pyrenäen-Serpentinen – mit der Bekanntschaft eines weiteren Fahrradpilgers namens Ansgar aus Bonn, der mich als kommunikationsfreudiger Katholik schnell ermunterte, von hier ab – gemeinsam – nach Santiago zu radeln…. und die portugiesische Ausgangsplanung ad acta zu legen.

Natürlich sind sämtliche Mail-Berichte dieser Tour längst im digitalen Äther verschwunden. Und wenn es nicht meine ehemalige Fotolabor-Chefin Yvonne gegeben hätte, die alle meine Stories heimlich ausgedruckt und in Form eines Buches hätte binden lassen, gäbe es diese nicht mehr. Tja, „wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär‘“…: Die Live-Doku über die bislang spannendste Reiseerfahrung meines Lebens überreichte sie mir wenige Tage vor ihrem Tode. Und es flossen Tränen… das Thema ‚Endlichkeit‘ wissen wir doch alle verdammt gut unter den Teppich zu kehren.

Aber ich schweife ab. Wollte ich doch eigentlich nur mitteilen, wie mein Hang zum Bloggen seinen Anfang nahm – und wie ich in die Pilgerszene reinrutschte….

… denn nach meiner Rückkehr von Santiago nach Sylt stand EINES mehr als fest: Pilgern geht nur zu Fuss. Und mit der Bereitschaft zum Aderlass, weil wir uns, in welcher Form auch immer, gerufen fühlen.

Aufgrund der zustimmenden Resonanzen auf meine Reiseberichte blieb ich auch in meinem 2017 begonnenen Blog „365-Tage-Sylt“ dabei, von meinen Reisen – ob pilgerisch motiviert oder auch nicht – zu berichten.

Übrigens: Im Jahre 2016 erreichte ich – ebenfalls am heutigen Tage – den gottsverlassenen Meseta-Ort NAJERA, bei dessen Annäherung ich häufig an Szenen aus „Spiel’ mir das Lied vom Tod“ denken musste, und im Jahre 2019 kam ich, nach Querung des pyrenäischen SOMPORT-Passes, in dem hübschen spanischen Ort JACA an. 

Und nun aaahnt Ihr sicherlich schon alle, was kommt. Und Ihr vermutet ganz richtig: Meine nächste Pilgerreise beginnt am heutigen Tage, mit einer laaangen Bahn-Anreise. Wohin? Dazu gebe ich morgen einige kryptische Andeutungen, und Ihr dürft dann raten, wo ich stecke, harhar. Übermorgen die Auflösung, falls Ihr‘s nicht vorher checkt.

Zum Abschluss noch einen schönen Gruß von Silke‘s Teebeutel-Hersteller zum heutigen Tag, dessen Beitrag mich heute morgen auf die Idee zu diesem Blog-Eintrag brachte:

„Tschüssikowski“ in der Sprache der Pilger heisst übrigens „Ultreia!“

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