27. Januar: Un jour de pluie à Montmartre

Nach dem 18-stündigen Einsatz am gestrigen Tag gehe ich mit redlich erarbeiteter Müdigkeit ins Bett. Herrlich ruhig ist’s in meinem Zimmer zum Innenhof, beste Bedingungen für einen traumlos tiefen Schlaf… und geraaade bin ich in der Frühe erwacht, als um kurz vor 6 Uhr mit gewaltigem Geschepper’ die Mülleimer über das Kopfsteinpflaster zur Straße gerollt werden.

Kurz darauf beginnt der Regen. Zunächst zaghaft, dann mit zunehmender Konstanz, und gegen 7 Uhr pladdert es so richtig los… Genauso war es von ˋMeteofrance Paris‘ angekündigt, und deshalb weiß ich auch, dass dieser Regen heute bis mindestens 14 oder sogar 15 Uhr anhalten wird.

Ein kleiner Spaziergang über die RUE DES ABBESSES und die RUE LEPIC zeigt mir, wie mit dieser Malaise professionell umgegangen wird. Ganz einfach: Man/frau schnackt nicht lange rum, sondern marschiert schnurstracks ins nächstgelegene Café:

Wir sind hier ja nicht in Duhnen! In diesen beiden paradiesischen Straßen gibt’s mit Sicherheit mehr als 50 Pâtisserien und Boulangerien…:

…desweiteren natürlich auch Café‘s, Bistro‘s, ja selbst Brasserien, die ihre klamme frühmorgendliche Klientel so gar nicht gerne im Regen stehen lassen wollen…:

… und so lande auch ich in einem dieser heimeligen französischen Heiligtümer, die den feuchten Morgen und ohnehin auch die kaum mehr zumutbaren Weltläufte ganz einfach nicht zu sich hineinlassen…:

Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dieser Croissant der beste sein wird, den ich in meinem Leben essen werde: Diese splittrige Textur! Dieses kopfkissenweiche Innere! Dieser vollbuttrige Geschmack! Dieses… ach, ich lass‘ es. Diese Wohltat zu beschreiben, ist ein vergebliches Unterfangen. Dazu der umwerfende Espresso, serviert von einer jungen Frau mit dem Charme einer Audrey Hepburn… Das Paradies ist oft so naaaaah…

Gegen 11 Uhr bekomme ich eine ‚Visite féminine‘ von meiner belle-sœur Christina aus Lyon:

Belle sœur (schöne Schwester) ist der reizende französische Ausdruck für „Schwägerin“, hihi. Sofort hat sie einen gutaussehenden brasilianischen Sambatänzer samt Familie aus der Menge gefischt, der obiges Foto von uns macht. Womit der offizielle Teil dieses Treffens dann auch erledigt wäre.

Mit parapluies bewaffnet, machen wir zunächst einen Rundgang durch Montmartre. Hier die „schönste Straße“ – von ganz Paris, lese ich irgendwo. Ob das wohl stimmt? (Grübel-Emoji):

Gleich um die Ecke, wie alles ‚à Montmartre‘, findet sich das Musée des Ortes, das als „ehemaliges Atelier“ von keinem Geringeren als August Renoir firmiert, you remember?:

Der arbeitete zwar keine zwei Jahre hier, passte sich aber schnell in die Künstler-und Partyszene Montmartres zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Nach der Eingemeindung in die rasant wachsende Großstadt ging es hier nämlich ziemlich heiß her, mal untertrieben ausgedrückt:

Die haben‘s richtig krachen lassen, entnehmen wir unzähligen Gemälden und Plakaten beim Rundgang durch das schnuckelige Museum:

Hier ein Blick auf den Ende des 19. Jahrhunderts noch wenig bebauten Kalkberg…:

… und hier ein Foto der noch recht elenden Lebensbedingungen…:

… die letztlich die finanzschwachen Künstler anzogen.

Hach – was für ein schöner Tag!:

Nach einem kräftigenden Mahl im Restaurant ‚Sankt Hans‘…:

… verabschiedet sich Christina (leider schon wieder), und ich gehe – im nun auch abklingenden Regen – noch einmal auf den schönsten Aussichtspunkt von Paris…:

… und bleibe dort bis zum Einbruch der Dunkelheit:

Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt.

 

 

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