… unter dieser Überschrift werde ich ab heute an dieser Stelle einige Infos, Gedanken und Geschichten zu meiner Parisreise nachliefern.
Zuallererst zu den von mir angeprangerten „brutalen Darstellungen“ in der NOTRE DAME – Kathedrale: Der jedem wahren Christen bekannte „Kindermord von Bethlehem“ hat mitnichten etwas mit Islamisten zu tun, sondern sie verstehen sich als geschnitzte biblische Geschichte – erzählt mir die bibelfeste Blogleserin Karin anläßlich meines heutigen Besuchs. Bevor ich dazu nun selber ins Detail gehe, lest doch bitte nachfolgende Mitteilungen aus kundigerer Hand:

Puuuuh, das war ein Schnitzer. Nun hoffentlich ausreichend korrigiert. Ob dieser Kindermord tatsächlich so stattgefunden hat, darum streiten sich die Gelehrten noch.
Paris-Schnippsel 2: Das Bistrot La Mascotte

Keinen Steinwurf von meinem Hotel in der Rue des Abbesses entfernt, besuchte ich gleich am ersten Morgen das kleine BISTROT LA MASCOTTE – nicht zu verwechseln mit der BRASSERIE gleichen Namens direkt nebenan. In diesem Bistrot genoss ich das beste Croissant meines Lebens, vous vous souvenez/Ihr erinnert Euch?
Als erfahrener Alleinreisender suche ich stets gleich nach meiner Ankunft in einem fremden Umfeld nach Lokalitäten, in denen ich mir vorstellen könnte, mich gerne aufzuhalten. Ein Gräuel sind mir dabei touristische Nepp-Schuppen, erkennbar im schlimmsten Falle an Aufstellern mit Abbildungen der angebotenen Gerichte. Willkommen erscheinen mir dagegen kleine Örtlichkeiten mit erkennbarem Lokalkolorit. Im Falle eines idealen Pariser Bistrots erkenne ich Letztere an folgenden Eigenschaften: Das Lokal hat eine Theke, und an dieser Theke stehen Einheimische gemischten Alters – und(!) beiderlei Geschlechts. Und wenn dann noch Handwerker in Berufskleidung zu den Besuchern gehören, zählt diese Kneipe zu meinem Favoritenkreis. So schnell geht das. All‘ das fand ich beim abendlichen Vorbeischlendern und einigen Blicken von außen in diesem Bistrot geboten. Und freute mich bereits beim Zubettgehen auf meinen morgendlichen Besuch im La Mascotte…
Ich öffne die Tür zum LA MASCOTTE um 7:30 Uhr. Eine gewagte Zeit, zeigen Einheimische in von Touristen stark besuchten Orten doch in der Regel wenig Begeisterung, wenn sie nicht einmal an frühen Morgenden unter sich sein können. 16 Augen schauen mich an, noch bevor die Tür wieder ins Schloss fällt. Die ausgesprochen quirlige junge Dame hinter der Theke grüßt mich ausgesprochen freundlich mit einem „Bonjour Monsieur, que désirez-vous?“, und ich nutze die Gelegenheit, gleich zur Theke durchzugehen und einen Café und ein Croissant zu bestellen, nicht ohne für alle Anwesenden radebrechend hinzuzufügen, dass leider mein Französisch sehr schlecht sei. Worauf „Audrey“ gleich fragt, woher ich denn käme. „D‘Allemagne“ antworte ich etwas wahrheitsgemäßer. Was ich nicht erzähle, ist, daß ich Französisch ziemlich gut verstehe, hihi.
Direkt neben mir stehen zwei Arbeiter von der Baustelle gleich gegenüber, deren Unterhaltung ich entnehme, daß sie noch auf eine Lieferung warten, bevor sie ihre Arbeit fortsetzen können.
Zwei weitere Tresenplätze werden belegt von einer etwa 80-jährigen Dame und … ihrem Hund mopsähnlichen Aussehens, der sich auf der zu kleinen Sitzfläche des Hockers nur mit Mühe halten kann, dafür aber in Minutenabständen irgendwelche Kekse ins Maul gesteckt bekommt, um noch ein wenig durchzuhalten.
Auf dem sechsten und mir entferntesten Tresenplatz sitzt ein jüngerer Mann um die 30 Jahre, Typ Bankangestellter, vertieft in die tagesfrische Montmartre-Gazette, und – wie alle einschließlich mir – gelegentlich am Espresso nippend.
Am Fenstertisch unterhält sich ein mittelaltes Ehepaar, das um 8 Uhr einen Termin bei einem Architekten hat, und gerade hier die Zeit überbrückt… und dann kommt noch ein sicher Ende 80 Jahre alter Herr mit langem schludderigen Mantel und komplett zerzottelten schulterlangen Haaren herein, den ich zunächst für einen Clochard halte, der aber wahrscheinlich doch eher ein im Alter etwas hinfälliger Universitätsprofessor ist. Audrey nimmt ihn nämlich gleich in Empfang und geleitet ihn an den zweiten Fenstertisch, wo sie eine weitere Café- Bestellung entgegen nimmt.
Gerade geht sie zur Theke zurück, da passiert‘s: Zunächst ein helles Säuseln, dann ein veritables Knattern verrät einen kräftigen Furz des überfütterten Mopses, der vor lauter Schreck rückwärts vom Hocker stürzt und eine Wolke übelster Darmgase in die Runde entlässt. Zapperlott! Die Tresen-Truppe springt auf und entfernt sich sprunghaft von diesem Ort des Grauens, Audrey reißt die Tür auf und fächelt die Luftverpestung auf die arme Rue des Abbesses, der Professor kichert lauthals, der Bankangestellte wirft einen Euro fünfzig auf den Tresen verlässt das Lokal mit zugekniffener Nase… und Hans? Der freut sich schon auf morgen früh, zu gleicher Uhrzeit an gleicher Stelle.
Was mir auffällt: Jeder kennt hier jeden. Diese Vermutung bestätigen meine Besuche an den kommenden beiden Morgenden, an denen ich sowohl den Professor als auch die komplette Thekenbelegschaft wiedertreffe.
Am Donnerstag, meinem Abreisemorgen, begrüßt mich Audrey mit den Worten: „Bonjour Monsieur, un café, un croissant?“
Paris Schnippsel 3: Der Hütchenspieler vom Trocadéro
Auf meinem langen Paris-Spaziergang am Mittwoch letzter Woche erklimme ich gerade die untersten Stufen hinauf zum TROCADÉRO, als mir in einem toten Winkel etwas abseits der Treppe eine kleine Menschentraube auffällt. Aus einer etwas erhabenen Position beobachte ich aus nur zehn Metern Entfernung einen Hütchenspieler, der – ausgesprochen flink – drei Pappbecher auf einer glatten Fläche jeweils gute 10 Sekunden herumrochiert, dann in die Runde blickt, schnell von einem Mitspieler – der zu wissen meint, unter welchem Becher sich die kleine Styroporkugel letztlich befindet – einen 50 Euro Schein kassiert. Der Zahlende darf daraufhin einen der Becher anlüpfen… und hat richtig getippt! Schnell bekommt dieser 100 Euro ausgezahlt.
Tolles Spiel irgendwie, haha. Vielleicht sollte ich auch mal mein Glück versuchen? Zumal ich in diesem Falle auch richtig getippt hätte, hoho!
Weitere Runden, mit wechselnden Mitspielern, werden glatt im Minutentakt abgehalten, und der Hütchenspieler, der die Becher in immer rasenderer Geschwindigkeit bewegt, macht einen guten Schnitt: Innerhalb von 10 Minuten hat er 300 Euro eingenommen.
Die große Frage ist nur, ob diejenigen Bieter, die gewonnen hatten, nicht vielleicht seine Komplizen sind, die weitere Neugierige nur zu Einsätzen locken sollten…? Zum Schluss verteilt der Hütchenspieler sogar 50 Euro-Noten an bis dato unbeteiligte Zuschauer, um diese so ins Spiel zu ziehen. Was auch gelingt.
Ich gehe besser… so ganz geheuer ist mir das dann doch nicht.