15. Januar: Früh-Expedition zum Morteratsch-Gletscher

Bingo! Als der frühe Zug mich an der Bedarfshaltestelle „Morteratsch“ absetzt, bin ich der einzige Passagier, der aus den 10 Waggons aussteigt. Und tatsächlich: Ich bin der erste heute morgen, der die 5 Kilometer zum Gletscher hinaufpilgert, wie groooßartig ist das denn!?
Direkt vom „Perron“ geht der Wanderweg los, an dem der Interessierte alle paar hundert Meter eine Info-Stele vorfindet, die kenntnisreiche und humorvolle Texte anbietet, zunächst zu geologischen Themen…:

… dann konkreter auf den Gletscher bezogen…:

… schließlich zur aktuelleren Dynamik des Eis-Riesen:

Als die Bahnlinie gebaut wurde, ging die Gletscherzunge noch fast bis zu den Gleisen, durch ihr Längenwachstum zum Ende des sogenannten „Little Ice Age“. Heute misst der Weg, wie gesagt, 5 Kilometer. Sooo weit hat sich das Eis zurückgezogen. Am Schmelzwasserfluss und unzähligen riesigen Findlingen entlang geht es stetig bergauf. Interessant für Norddeutsche: Auch bei uns hat die Landschaft in der Nacheiszeit ganz ähnlich ausgesehen, und die Inlandeismassen hatten noch ein ganz anderes Kaliber:

Die Stelen geben auch am jeweiligen Standort an, wann der Gletscher bis dorthin abgetaut war. Dieser Mocker zum Beispiel wurde im Jahre 1945 aus dem Gletscher „entlassen“ und erlebte im Anschluss eine „Kernspaltung“ bei den superkalten Temperaturen unmittelbar am Eisrand:

Je näher ich dem Gletscher komme, desto kümmerlicher wird die Vegetation:

Nach etwa 70 Minuten Wanderung erreiche ich das nahezu vegetationslose Gletschervorfeld, und sehe…:

… rechterhand auch das Gletschertor, in dem sich ein weiterer Riesenfindling gerade aus dem Eis löst. Nur die Phalanx eindrücklicher Steinschlag-Warnschilder hält mich davon ab, dort sofort weitere Nachforschungen einzuleiten…:

Ein eiiisiger Wind weht vom Gletscher herab, der in höheren Zonen eine Mächtigkeit/Dicke von über 300 Metern erreicht:

Erst als ich diese Ur-Natur eine gute Weile habe auf mich wirken lassen, kommen weitere Besucher, und ich suche flugs das Weite – eine meiner besonderen Spezialitäten. Also zurück zur Station Morteratsch und ab geht die Post:

Nach den morgendlichen Strapazen lechzt der Körper nach Kohlenhydraten. Wie passend, daß ich genau zur „Tea-Time“ das Hotel Waldhaus in Sils erreiche, denn die offerierte Waldkirsch-Wähe bringt mich schlagartig wieder auf Vordermann:

Kommentare (2)

  1. Hartwig Richter

    Vielen Dank, lieber Hans für die eindrücklichen Bilder und Stelen, die u.a. davon berichten, dass es auf dieser Erde schon immer Klimaveränderungen gegeben hat und somit die aktuelle Klimahysterie eher demogogische Hintergründe und Ziele hat.

    • Hans Jessel

      Moin Hartwig,

      zu dem Thema „Little Ice Age“ habe ich noch ein aussagekräftiges Diagramm gefunden, das ich an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht zeigen kann. Ich komme bei nächster Gelegenheit darauf zurück.
      Grüße, Hans

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