19. Februar: Ein naturkundlicher Spaziergang vor Kampen

Ja gibtˋs denn sowas! Der für den ganzen heutigen Tag als dunkelgrau avisierte Himmel lichtet sich – und bald nach 9 Uhr kämpft sich tatsächlich die Sonne durch den Frühdunst. Ein ganz weicher Windhauch aus dem Süden verbündet sich vorzüglich mit diesen ersten Strahlen – und ich bin bereits unterwegs nach Kampen…

Durch die bronzezeitliche Hügelgruppe der „Krockhooger“ geht es hinüber an den Strand. Hier auf der Kampener Nordwestheide ist die Krähenbeere der vorherrschende Zwergstrauch – und deren oliv-rostbrauner Farbton überzieht auch die vorzeitlichen Grabstätten.

Am Strand empfängt mich ein ausgeprägt niedriger Wasserstand. Vor dem Roten Kliff liegen große Steinpflaster trocken. Diese stammen aus dem Abbruchsmaterial des Kliffs, das sich vormals auch noch hier befand. Die sogenannte „Schorre“ des Kliffs befindet sich ebenfalls noch direkt unter dem Strandsand – und eben darauf sammeln sich diese Steine:

Steine sind Raritäten auf dem Meeresgrund der Nordsee, weshalb diese von spezialisierten Bewohnern genutzt werden, zum Beispiel diesen Kameraden:

Wir stehen im Moment wieder an der Stelle, wo ich vorgestern die Möwen-Ansammlungen fotografierte. Diese waren also nicht nur hinter den Schwertmuscheln (links neben dem Seestern) her, sondern auch scharf auf die Stachelhäuter, die leiiider ausgesprochen schwierig zu vertilgen sind. Den Möwen bleibt nichts anderes übrig, als die armen Seesterne zu zerhacken, oder sie so lange im Schnabel hin- und her zu schlagen, bis die Beine abreissen. Mühsamer Job! Dementsprechend sieht der Strand hier auch aus. Wie ein Schlachtfeld, aber echt.

Auch Krebse halten sich gerne zwischen und unter diesen Steinansammlungen auf. Sowohl Strandkabbenteile als auch Schalenreste der handtellergroßen Taschenkrebse entlarven diese als Lieblingsspeise der Möwen. Ich finde den Panzer eines Taschenkrebses mit angeheftetem Wellhornschnecken-Laich. Seine Gebeine sind über einen ganzen Quadratmeter verteilt:

Eher verblüffend ist dieser Fund:

Das sind „Strahlenkörbchen“, die normalerweise im sandigen Meeresgrund in Wassertiefen von 10 Metern und darunter leben. Es kann eigentlich nur Sturmflutbedingt sein, dass diese hier in großer Zahl – noch lebend – ebenfalls den Möwen als Futter dienen. Normalerweise findet man höchstens mal ab und an ein Schalenteil von diesen Tieren.

Der Rückgang der Küste wird dem Spaziergänger auch beim Blick auf die Buhnen deutlich. Diese Betonpfahlbuhnen wurden seit den 1920er Jahren zwischen Westerland und Kampen gebaut. Ihr landseitiger Teil befand sich damals oberhalb der Hochwasserlinie – heute spült sogar das  betont niedrige Niedrigwasser lustig drum herum…:

… und das Hochwasser erreicht locker den Fuss des Kliffs, vor dem der meterhohe Sand der letzten Sandvorspülung nun wieder abgetragen wurde:

Kommentar (1)

  1. Moin lieber Herr Jessel,
    muss Ihnen ENDLICH einmal schreiben/ mitteilen ( das wird allerdings für Sie nicht neu sein! ):
    Sie und Ihre liebe Frau sind wirklich gesegnet, an sooooooooooooooo einem TRAUMHAFTEN Ort, wie Sylt zu leben! Naja, und dass Sie ein GROSSARTIGER Fotograf sind,- DAS wissen Sie ja schon ein „paar Jährchen“!
    Mein Mann und ich kommen seit 1985 nach Sylt! Seit 1999 den ganzen Oktober! Uns gefällt Sylt im Herbst und Winter am besten! Wir wünschen Ihnen und Ihrer Frau ein fröhliches Biikebrennen!
    ( Unsere schönsten Orte auf Sylt: die Lügenbrücke, Morsum, ganz Morsum; nicht nur das Kliff! Unser Lieblingsdorf, Ellenbogen und erst seit 3 Jahren die Ostseite von List, und überhaupt die Wattseite, die Braderuper Heide! Am liebsten früh morgens!!
    Und weiterhin sooooooooooooooooooooooo viele schöne Momente/ Augenblicke auf Sylt ( und dem Rest der großen, wunderschönen Welt )!!! Ganz herzliche Grüße aus Wolfsburg, Marion Kusche, spreche hier auch für meinen Mann Bernd

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