22. Juni: Was haben wir denn hier!?

Schon beim Baden heute früh fielen mir die zahlreichen Algen auf, die teilweise als dichte, kiloschwere Büschel an der Wasseroberfläche schwammen.
Heute nachmittag staune ich nicht schlecht, als ich diese meterlangen Braunalgen am Kampener Strand gleich tonnenweise vorfinde:

Die genauere Bestimmung ergibt: Es handelt sich um „Japanischen Beerentang“, eine sogenannte „Invasive Art“, die sich aufgrund der Ansiedlung der Pazifischen Auster („Sylter Royal“) in der Nordsee massenhaft vermehrt und verbreitet hat.

Die bis zu 5 Meter langen Einzelpflanzen wachsen, angeheftet an den Austernschalen, heran. Aufgrund Ihrer luftgefüllten Auftriebskörper schwimmen sie schließlich frei im Meer herum, wie es jeder von uns seit seinem letzten Besuch im Sargasso – Meer kennt. 😉 Deshalb auch der lateinische Name „Sargassum muticum“.

Im Detail sieht das Angespül dann (u.a.) so aus: Der dunkelbraune Beerentang verwickelt sich mit anderen Algen und Blättermoostierchen-Kolonien..:

… die (in verschiedenen Unterarten) ebenfalls als „Einzelbüschel“ im Flutsaum zu finden sind:

Dieses sind, wie der Name schon sagt, TIERE, nah verwandt mit den Quallen, was man aber nur mit einer verdammt guten Lupe erkennt, mit der man die einzelnen Punkte auf den „Blättern“ als Wohnstätte sogenannter Polypen ausmachen kann.

In den angeschwemmten Algenhaufen finden sich natürlich auch die heimischen Arten, wie zum Beispiel der Blasentang…:

… der Knotentang…:

… und der Rinnentang, den ich dank der Hilfe einer botanisch versierten Blogleserin ebenfalls identifizieren konnte:

Bemerkenswert ist die „Sortierung“ des Angespüls: Findet sich an einigen Abschnitten fast ausschließlich der Beerentang, fehlt dieser ein paar hundert Meter weiter völlig, dafür wird der Spülsaum von Moostierchen-Kolonien dominiert. Und wieder woanders liegen nahezu überhaupt keine Algen, dafür umso mehr Herzigel-Schalen:

Die Erklärung: Letztlich sind alle diese Organismen von den Strömungen abhängig, also dem Meeresplankton zugehörig (der Herzigel nur nach seinem Tod als treibendes „Skelett“). Die „Sortierung“ erfolgt in erster Linie nach dem spezifischen Gewicht und damit in einer bestimmten Zone der Wassersäule. Die Algen mit Auftriebskörpern schwimmen oben, das Seemoos sammelt sich in den tieferen Zonen, und die Skelette der Herzigel kullern über den Meeresboden.

Was mich daran hauptsächlich interessiert, sind die von der Natur in den Spülsaum gegossenen Kunstwerke, denen ich mich in den kommenden Tagen widmen werde,  denn soooo schön wie zur Zeit diese selten zu beobachten:

 

Kommentar (1)

  1. Karin Lizon

    Moin Hans,

    danke für die tollen Fotos und sehr interessanten Informationen, was einem beim Strandspaziergang alles vor die Füße kommen kann.
    An den Artikel
    “ Hoooppla “ werde ich denken, wenn ich im Juli endlich wieder die Sylter Wellen beobachten kann.

    Liebe Grüße
    Karin

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