Folgende acht Kantone habe ich nun auf meiner Pilgertour „bewandert“: St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Schwyz, Uri, Nidwalden, Obwalden… und nun, zum Abschluss, noch den großen Kanton Bern. Und da jeder Kanton so seine Eigenarten hat, wundere ich mich nach Querung der Kantonsgrenze nach Bern zunächst über das ‚Hopp‘ als Antwort, wenn ich wie gewohnt mit ‚Grüezi‘ gegrüsst hatte. Auf Nordfriesisch wäre das ‚Moin‘… und die Mehrzahl von ‚Hopp‘, wenn man/frau also mehrere Personen grüßt? Richtig: ‚Hoppid!‘, statt ‚Grüezi miteinand‘ oder moinmoin…
Heute morgen lasse ich mir etwas Zeit, denn auch nach dem Frühstück regnet es noch – erst gegen 9:30 Uhr pilger‘ ich von meiner Unterkunft in Hofstetten hinunter zum Brienzersee. Ein veritabler Wolkendeckel bleibt den ganzen Tag zwischen den hohen Bergflanken hängen, aus dem gelegentlich ein zarter Niesel auf mich niedersuppelt:

Beim Brienzer Strandbad herrscht dementsprechend eine extravagante Abpfiff-Stimmung, so würde ich es mal nennen:

Aus zwei/drei Kilometern Entfernung sehe ich bereits BRIENZ, den größten und bekanntesten Ort in diesem Teil des Seeufers. Allerdings stelle ich bei der Annäherung fest, dass Brienz zunehmend hinter einer graubraunen, richtig hässlichen und gewaltig miefenden Qualmwolke verschwindet. Brennt dort ein Haus? Wird feuchtes Laub abgefackelt? Oder welche Ursache mögen die üblen Schwaden wohl haben…? (Nachdenk-Emoji)
Es ist die berühmte BRIENZ ROTHORN BAHN, das stinkende Luder! Genauer gesagt, es sind sogar zwei Loks, die da um die Wette pupsen, uuund…:

… deren Ausdünstungen die CO2-Bilanz der Schweiz nicht unmaßgeblich zum Negativen beeinflussen dürften:

Die Gäste aus dem Orient, Südkorea, den USA und Bolivien haben es sich bereits in den Waggons bequem gemacht, da tut sich noch eine Abfahrtbehinderung in Gestalt einer jungen venezolanischen Eisenbahn-Aficionada auf, die sich beharrlich weigert, die Tür zum Lokführerstand aus ihrer Hand zu entlassen:

Kinder, ich kann Euch nicht sagen, wie diese Geschichte letztlich endete. Ich meine jedoch, bei meinem Abgang noch ein/zwei Strophen des venezolanischen ‚Lieds der Revolution‘ vernommen zu haben, die der Lokführer der versammelten Gästeschar aus seinem Karbäuschen darbot.
Die Welt ist bunt – wir pilgern weiter. Während die Glücklichen ihr spätes Frühstück mit Eierlikör auf der Terrasse genießen…;

… wurden die Unglücklichen aus dem Ort vertrieben. Schon seit fast zwei Jahren stehen diverse Ruinen von Häusern nahe der Kirche des Ortes, wo während eines Unwetters im August 2024 eine Schlammlawine durch den Ortsteil rauschte und alles mitriss, was sich ihr in den Weg stellte:

Später mehr…