Die Geschichte vom “Grimmigen Gesellen”

… beginnt in der dunkelsten Nacht des Jahres 2016, zur Wintersonnenwende, im Atelier von Lars Wiggert im Hamburger Schanzenviertel. Am 22. Dezember erhalte ich eine eMail mit dem Original-Wortlaut: “Ein Wintertag in den Dünen: Ein grimmiger Geselle! Mein letztes Bild in diesem Jahr. Die Pinsel ruhen jetzt. Farbe gibt es erst wieder im neuen Jahr!”

Ich erschauere beim Betrachten. Für düstere Stimmungen hatte ich schon immer einen Draht, egal ob in Malerei oder Fotografie (auch der eigenen), aber dieses war ein wahrhaftig Grimmiger Geselle, der auch mein eigenes Schaffen in der Folgezeit nicht unbeeinflusst lassen sollte:

Im Rahmen von Lars’ diesjähriger Frühsommer-Ausstellung in der Westerländer NOSPA-Filiale stoße ich erneut auf das Bild und lasse den Künstler noch ein paar Takte dazu intonieren… in den Folgewochen immer fürchtend, dass irgendeine herum irrende, düstere Seele sich dieses Gesellen habhaft machen könne. Schließlich ist auch der Kunstschaffende nur ein Mensch, der spätestens bei vierstelligen Beträgen zur Bestechlichkeit neigt:

Heute komme ich in Lars’ aktuelle Ausstellung im Westerländer Hotel Roth, um dem dortselbst darbenden Künstler mit einer Kuchen-Donation den Blutzuckerspiegel auf der Höhe zu halten. Schließlich weiß ich zur Genüge, zu welch’ flauen Gefühlen der schaffende Geist sich in der Lage sieht – in der Ausstellungs-Katakombe brutalstmöglich abgeschirmt von denjenigen Launen der so überaus geachteten Natur – die draußen schaltet und waltet ohne ihren Dompteur, der deren dunkelste Eskapaden mit geschickten Pinselstrichen (oder einer 1/125stel Sekunde…) als Einziger für die Ewigkeit zu konservieren vermag.

Allerdings treibt mich auch der Eigennutz, dieses rabenschwarze Luder, hatte Lars mir doch schon vor einigen Tagen durch die Blume in geheimnisvollem Tonfall avisiert, er “hätte da etwas aus Hamburg mit gebracht”, was er mir in aller Feierlichkeit überreichen wolle.

Dieser überaus graue Freitag wendet sich beim Auspacken zum Guten: Der Grimmige Geselle, im Hamburgischen schnell noch mit einer letzten Schutz-Lasur versehen, hat im Handstreich seinen finalen Besitzer gefunden.

Ehrenmann, der ich bin, verweigere ich – selbstredend – die Annahme,… es seiii denn, ich dürfe mich mit einem meiner Werke aus diesem Blog revanchieren. Sekunden der Rührung in der Katakombe – dann herrscht lupenreine Einigkeit.

Diese Zeilen wurden geschrieben während einer Bahnfahrt ins scheinbare Nirgendwo, von dunklen Gesellen umgeben:

Kommentare (3)

  1. Yvonne Lagoni

    Das Hänschen und der Lars in Einigkeit – bin ganz berührt, wenn ich mir diesen Euren Moment vorstelle.
    Wenn ich mich richtig erinnere, kanntet Ihr Euch damals vom Namen her bevor ich Euch persönlich bekannt gemacht habe, als Ihr zufällig einmal beide zur gleichen Zeit bei PPS. aufgekreuzt seid.
    War das nicht so? Irgendwie schön. Der Forograf und der Maler.
    Mit liebsten Grüßen an Euch beide von Wonni

  2. Liebe Yvonne, das kann ich so unterschreiben! Ich erinnere mich noch gut an Hans’ großformatige Arbeiten, die seinerzeit im Entree von PPS ausgestellt waren! Ein absoluter Hingucker! Aufnahmen, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte. Wenn ich PPS betrat, war das für mich also immer eine inspirierende Begegnung mit der Heimat! Mit Freude denke ich an meine “Drucktermine” zurück, die bei Dir ihren Anfang nahmen. Herzlich, Lars

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.