“Nö jetzt!”, oder: Eine surreal-urbane Gesamtkomposition

Der Besuch macht große Augen. Ich verabschiede mich aus der Runde keine 5 Minuten nach Betreten des “Weinfestes” auf der Westerländer Promenade, weil ich zwei Dinge einfach nicht ertrage, besonders wenn diese zusammen auftreten: Menschenmassen und schlechten Wein.

Das war gestern abend – und das war gut so, denn meine Gedanken kreisten ohnehin nur noch um das, was mich heute am frühen Morgen erwarten würde. Um 3:50 Uhr stehe ich auf, um Punkt 4 Uhr sitze ich aufm Rad in Richtung List. Erster Stop: Golfplatz Kampen. Feiner Morgennebel vorm Leuchtturm:

Ein okayes Foto, würde ich mal behaupten.

Ich erreiche List kurz vorm Sonnenaufgang, kurve zunächst im Hafenbereich herum. Dann sehe ich im Nordwesten eine Wolke, und ich spüre, dass diese in ihrem Vorfeld dem bislang sanften Seewind die Puste nimmt. Ich wie ein Besengter auf den Möwenbergdeich voll in das surreale Titelbild rein. Definitiv abgehoben, sage ich sogar laut in dem Moment, als ich hineinrase, wie zur Selbstvergewisserung.

Die Show geht dann gleich weiter:

Fantastische, im frühen Morgenlicht wie gläsern wirkende Wolken, eine Weitsicht bis zum Anschlag, alles untermalt von den melodischen Rufen einiger Säbelschnäbler und Rotschenkel, dem Krächzen der Seeschwalben – und meinem Geächze und Geschnaufe, gilt es doch einmal mehr, zu einem Zeitpunkt an mindestens 5 verschiedenen Orten zu sein, Motive zu erahnen, das Stativ aufzubauen, Objektive zu wechseln und bloooß keine (technischen) Fehler zu machen, die eine Woche meines Lebens zu verdüstern imstande wären… alles schon passiert in solcher Hektik.

Ist der Moment des “Schöpferischen Prozesses” trotzdem schön? Ein eindeutiges JAAA! Ich brauche diesen für mein wankelmütiges Wohlgefühl. Nur dauert dieser “Moment” heute fast zwei Stunden, denn die spektakuläre Wolkenformation zieht sehr langsam und erstaunt in Einem fort durch neue Szenarien:

Ich betrachte die wechselnden Erscheinungsformen der Wolkenfront in Ehrfurcht. Andere gehen in Kirchen – ich erlebe meine demutvollsten Momente stets in der Natur. Hier. Jetzt. Und glücklicherweise allein.

Kurz vor 7 Uhr breche ich ab. Im Lee der Front zieht ein kühler Hauch vom Meer heran, die gespiegelte Welt verschwindet innerhalb einer Minute. Ich fahre zum Lister Bäcker und geniesse meinen Morgen-Kaffee, der in der Frühe ausfallen musste.

Unser Besuch steht derweil in den Startlöchern – bereit zur Heimreise. Nach einem gemeinsamen Frühstück bringt mich ein Spaziergang über die Promende schneller in die Realität zurück als mir lieb ist:

P.S.: Dank an alle Zusender von Genesungswünschen – hat funktioniert. Kopfschmerzen sind weg, juchhee!

P.P.S.: Das Rezept vom Kubanischen Kichererbsen-Avocado Eintopf folgt – versprochen. Hatte blöderweise kein Foto gemacht. Bitte etwas Geduld bis zur nächsten Unlust- oder Schlechtwetterlage… 😉

 

 

Kommentar (1)

  1. Angela S.

    Wie unglaublich schön!!!
    Gut, daß zum Schluß noch das Strandkorbfoto kommt, ich wäre sonst abgehoben.
    Wünsche einen schönen verregneten Sonntag
    LG Gela

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