16. November: Kennt jemand GURUVE?

Foto: Anna Goldbach

Ich hatte versprochen, heute von einem Sylter Projekt zu sprechen, das – seit zehn Jahren schon – eine Verbindung herstellt zwischen unserer Insel und GURUVE, einem kleinen staubigen Provinzort im Norden Simbabwes, reichlich achttausend Kilometer Luftlinie südlich von Sylt gelegen (und deshalb mit der gleichen Uhrzeit versehen) – und bei Google noch exakt zu lokalisieren. Genauer gesagt, möchte ich Euch hier an die Hand nehmen, bei aktuellen 26 Grad Celsius und zarten Schäfchenwolken am blassblauen Himmel, mit mir hinaus in die Savanne zu wandern. Und zwar einen Tagesmarsch von gut 30 Kilometern abseits jeglicher Straßen und Wellblechpisten zu vier winzigen Dörfern, deren Namen Google nicht mehr verrät. Afrikanische Provinz wie im Lehrbuch. Viel vertrocknete Vegetation – bis zum jetzigen Beginn der Regenzeit jedenfalls, zauberhaft anzusehende Schirmakazien, die Schatten spenden, darunter Mensch und mageres Vieh. In Eigenregie erbaute, ärmliche Hütten ohne Wasser und Strom. Nur die älteste Generation bei uns weiß noch, wie das ist. Was das bedeutet: Ohne Wasser und Strom!

Die Kolonialmacht Grossbritannien hat mit dem einstigen Süd-Rhodesien gute einhundert Jahre lang gemacht, was Kolonialmächte eben so taten. Und als die weißen Großgrundbesitzer gleich nach dessen Unabhängigkeit im Jahre 1980 von ihren Ländereien vertrieben worden waren, übernahmen korrupte Politiker und deren Gönner die wertvollen Ländereien dieses Landes von der Größe Deutschlands, nicht jedoch die -zigtausenden von Kleinbauern, denen man es einst genommen hatte.

Und heute? Forciert der Klimawandel mit ausbleibendem Regen die Nöte der ohnehin in Subsistenz lebenden Landbevölkerung – mit Grüßen aus einer „zivilisierten Welt“, die über ihre Verhältnisse lebt und vorrechnet, dass wir längst zwei Erden bräuchten, um es so weiter treiben zu können wie bisher. Und während wir uns auf Sylt über späte Novembertage mit sommerlich anmutenden Temperaturen wundern, versiegen in Simbabwe die örtlichen Brunnen, obwohl man sie schon bis über 30 Meter in die vertrocknete Erde trieb.

Magdalene Nickel wohnt in meiner Nachbarschaft, keine zwei Steinwürfe entfernt. Heute Nachmittag war ich auf einen Tee bei ihr drüben, und sie erzählte mir von ihrem gerade erfolgten, abermaligen Besuch in diesen vier Dörfern, die sie seit 2017 zu ihrem „Projektgebiet“ erklärt hat, gemeinsam mit ihrem dort lebenden Projektpartner Washington Chirume – wir sehen die beiden auf dem heutigen Titelbild… am Sylter Strand im vergangenen Jahr. Beide studieren noch, Washington neben seinem Beruf als Oberstufen-Lehrer und Inhaber eines kleinen „Drugstores“, Magdalene in einem Masterstudium, das junge Menschen befähigen soll, u, a. das Armutsproblem in Regionen dieser Art zu mildern. Schon im Alter von 15 Jahren veranstaltete sie auf Sylt Spendenläufe, um simbabwischen Schulkindern den Erwerb der notwendigen Trikots für überörtliche Fussballturniere zu ermöglichen. Heute leitet sie den von ihr gegründeten Verein MIKANA e. V., der für diese vier Orte in der Steppe Simbabwes mit Spenden in hoher fünfstelliger Höhe eine Grundschule mit mehreren Gebäuden einschließlich Lehrerunterkünften, einer Küche und Toiletten entstehen ließ. Alles aus örtlich hergestellten Ziegeln, mit örtlichen Handwerkern und in örtlicher Regie, inklusive Tischen, Stühlen, Büchern, Tafeln und Schreibutensilien. Über 190 Kinder werden von mittlerweile acht Lehrern unterrichtet. Hier Magdalene im Oktober 2022 mit einem kleinen Teil der Rasselbande…:

Fotos: Magdalene Nickel

… hier ein Klassenraum und dreißig Begeisterte, die ohne Magdalenes Wirken keine Schulbildung bekämen…:

… Hier der örtliche Projektpartner Washington Chirume bei seinem letztjährigen Besuch auf Sylt, der eigentlich auf drei Wochen angesetzt war, sich aber letztlich über sechs Monate erstreckte – aufgrund der Corona-Blockaden im Luftverkehr zwischen Europa und Afrika…:

Aktuelle Bauarbeiten an der projektierten neuen Lehrerunterkunft auf dem Schulgelände:

Mittlerweile wurde das komplette Schulgelände eingezäunt, so dass nun auch das „Hühnerprojekt“ in Angriff genommen werden kann, was den Speiseplan der Schulküche  allerbest ergänzen dürfte. Dafür spende ich heute € 100,- auf das Konto:

Mikana e. V., Sylter Bank, IBAN: DE46 2179 1805 0000 1640 03   BIC: GENODEF1SYL

Online-Spenden auch über www.betterplace.org/de/projects/62205, hier auch aktuelle Meldungen, z. B. von Magdalenes jüngster Reise

Homepage: https://mikana-info.org

Direkter Kontakt zu Magdalene Nickel: kontakt@mikana-info.org

 

 

 

 

Kommentare (3)

  1. Moin Hans,
    Vielen Dank für diesen tollen Blogpost über unsere Arbeit in Simbabwe! Du hast das Land und die Menschen schriftlich wunderbar eingefangen.
    Wir freuen uns sehr, dass du unser Projekt schon so lange mit begleitest. Tatenda (Danke auf Shona) für deine Spende die bereits bei uns eingegangen ist!
    Viele Grüße in den Morgen,
    Magdalene

  2. Lieber Hans!
    Großartig, dass du das Schulprojekt und Magdalenes Arbeit mit deinem Blog und nicht nur persönlich unterstützt. Danke!
    Es ist gut und wichtig, dass nicht nur das familiäre und das Sylter Umfeld von Mikana und Magdalenes Arbeit erfahren und die Schule unterstützen. Genauso wichtig finde ich, dass von Magdalenes Initiative andere, insbesondere junge Menschen ermutigt und angeregt werden. Sie hatte mit 18 Jahren den Mut und die Energie, die Schule in Simbabwe zu gründen, die seither Hunderten Kindern Bildung und Förderung ermöglicht, das Dorfleben bereichert. Ich wünsche ihr viele Nachahmer. Es macht Freude, sie zu unterstützen. Deshalb auch von mir 100 Euro.
    Herzliche Grüße
    Christine

    • Hans Jessel

      Bingo! Ich weiß ja nicht, wo der gegenwärtige Hühner-Preis in Simbabwe gegenwärtig liegt… aber damit dürfte es zukünftig noch lebhafter werden auf dem Schulgelände! Tatenga, Christine!

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