15. November: Das neue Jahrtausend… bis heute

Die heutigen Fotos stammen von vorgestern, meinem ersten Fotospaziergang seit dem „Kniefall“…

… ist nun auch schon wieder 22 Jahre alt. Aber tatsächlich lässt sich um das Jahr 2000 eine weitere Phase meines Lebens für die Fotografie abgrenzen, die bis heute andauert.

Es stand nämlich das Angebot seitens der Hapag Lloyd – Reederei im Raum, mich dauerhaft an Bord einzusetzen, als Cruise-Director… Aber ich bin von Herzen Fotograf und kein Event-Organisator, außerdem hatte ich die Entwurzelung derjenigen Mitarbeiter an Bord dieser Schiffe erlebt, die zum Teil jahrelang – sogar jahrzehntelang- fern der Heimat auf den Weltmeeren unterwegs waren. Schließlich trug ich eine schwere Skepsis dieser Reiseform gegenüber mit mir herum. Mit anderen Worten: Nun galt es, wirklich auf Sylt anzukommen – und vornehmlich vor der eigenen Haustür zu arbeiten.

Seitdem lebe ich meinen Traum, nämlich so diszipliniert zu Werke zu gehen wie mein größter Epigone Ansel Adams. Ich sehe es als ein Geschenk an, stets ohne Auftraggeber zu fotografieren, aber Kunden gewonnen zu haben, die regelmäßig meine Bildergebnisse erwerben und mich in meinem Tun unterstützen. Mir ist kein anderer Landschaftsfotograf in Deutschland bekannt, der so frei und privilegiert von seiner Arbeit leben kann.

Wenn ich meine Empfindungen hinsichtlich der Insel Sylt vom Anbeginn meiner Tätigkeit um 1980 mit den heutigen vergleiche, dann bin ich ungleich besorgter geworden. Die ungebremste Bautätigkeit, der Übertourismus, der Ausverkauf, die bräsige, vergiftete und immer noch in ihrer 70er Jahre-Denke verharrende Dorfpolitik… das alles stimmt mich wahrlich nicht fröhlich.
Aufgrund meiner Erfahrungen auf den Weltreisen und dem bekanntermaßen gestressten Zustand unseres Globusses versuche ich, meinen eigenen „Fußabdruck“ an den effektivsten Stellschrauben zu verringern: Auto gleich nach der Jahrtausendwende verkauft, Flüge nahezu vollständig gestrichen, Fleischverzehr auf ca. 30 Prozent eingedampft – und ich unterstütze das rührende Engagement einer jungen Sylterin in Simbabwe, die dort eine beispielhafte „Wiedergutmachung“ ins Leben gerufen hat – wovon ich morgen berichten werde.

Kommentare (2)

  1. Frank Jesse

    Lieber Hans,
    was haben wir Sylt-Fans doch für ein Glück, dass Du Dich vor 22 Jahren nicht für das Angebot der Hapag Lloyd – Reederei entschieden hast. So ist uns die Kombination aus Deinem Wissen zu Deiner Heimat, Deinem Studium Geografie/Landschaftsökologie und Deiner Leidenschaft zur Fotografie, erhalten geblieben bist! Danke dafür!
    Gerade zu zufällig passend zu diesem Blogeintrag von Dir kann ich berichten, dass ich gestern Abend mein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, Dein neues Buch „SYLT“ erhalten habe. Ausgepackt, direkt losgelegt, bis tief in die Nacht gelesen und die traumhaften Fotografien fasziniert betrachtet. Dein Wissen um Deine Heimatinsel, Deine Leidenschaft für die Natur, Dein Auge für die großartigen Motive, all dies ist eine einmalige Verbindung die mich als Leser gefesselt hat und ich konnte gar nicht aufhören mir das Buch zu verinnerlichen.
    Seit über 35 Jahren komme ich auf meine Lieblingsinsel, seit dieser Zeit bin ich fasziniert von Deinem Schaffen. Mitte der 90’er Jahre, es muss wohl 1994/95 gewesen sein, war ich schon begeistert von Deinem Buch „Das große Sylt-Buch“ und konnte mir nicht vorstellen, dass Du es noch mal toppen kannst. ABER mit Deinem neuen Werk ist Dir Dein Meisterstück gelungen! In diesen trüben Zeiten bringt es Freude, Erinnerung und gleichzeitig auch schon wieder den Wunsch auf, bald wieder die Insel zu besuchen. Natürlich kenne ich nach all den vielen Besuchen Sylt nur zu gut, aber bei mehrwöchigen Urlauben kann man nicht die ganzen Facetten der Jahreswechsel und Stimmungen mitbekommen, dies wird einem mit Deinem neuen Werk aber ermöglicht! Vielen Dank das Du dies mit Deiner Leidenschaft so erstellt hast.
    Jeder der noch in den nächsten Wochen ein Geschenk für Weihnachten sucht, hat hiermit schon einen Tipp von mir bekommen.
    Liebe Grüße
    Frank

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