16. September: Wo bin ich (schon wieder)!?

Fangen wir mal von vorne, sprich von heute früh an: Ich erscheine um kurz vor 3 Uhr am Altonaer Bahnhof… und der früheste Fernzug des Tages ist ganz offenbar nicht angetreten. Die Ansage schweigt, meine BahnApp schweigt, und die geplante Abfahrtszeit um 3:02 Uhr bleibt beharrlich auf der Gleisanzeige stehen… Um 3:20 Uhr dann plötzlich der App-Hinweis, dass es „Verzögerungen in der Bereitstellung“ gibt, und um 3:37 Uhr trödelt der ICE dann endlich an den Perron. Na, das kann ja noch heiter werden…:

Vor einigen Tagen besuchte ich Manfred Degen, und als ich ihm von meiner bevorstehenden Bahnreise erzählte, drückte er mir – als bekennender und Schalter-gestählter Eisenbahner – dieses Buch in die Hand, als Reiselektüre:

Mein Traveler-Herz schlägt eine Oktave höher: Paul Theroux zählt zu den weltweit erfolgreichsten und besten Reiseschriftstellern, und im Buch beschreibt er, wie er in einem der kältesten Winter der nordamerikanischen Geschichte, nämlich 1978, in seiner Bostoner Schreibstube in einer Art Kurzschlussreaktion auf Dunkelheit und Kälte sein Reisegerötel zusammensucht und, beginnend mit der S-Bahn vor seiner Haustür, mehrere Monate bis nach Patagonien (Zug-)fährt. Und auf der Hinreise von Sylt nach Hamburg war ich gerade bis zu der Stelle vorgedrungen, als er in einer moskitoverseuchten und schwülheissen Küstengegend in Mexico in einem der verlassensten Löcher des Kontinents mit dem Zug verreckt, und dieser nach Stunden des Stillstands langsam von den völlig verwahrlosten Bewohnern dieses Ortes in Besitz genommen wird… besonders die Zugtoilette. Da diese sich jedoch plumpsklomäßig auf die Gleise entleert, und immer an die gleiche Stelle, und weil die stechenden Wanzen und Spinnen aus den Polstern immer mehr durchdrehen…… kratzt mich diese popelige Verspätung am frühen Morgen im zivilisierten Altona diesmal weniger als sonst. Danke Manfred für die anregende Lektüre. Kam genau richtig.

Nach neuneinhalb Stunden und einer Grenzüberquerung erreiche ich mein Reiseziel:

Es ist Mittags-Essenszeit, und ich pilger‘ direkt vom Bahnhof in den ältesten Restaurantkeller Österreichs. Es gibt Kasnocken, sozusagen genau das richtige nach einer komplett unanstrengenden und entspannten Zugreise:

Das Wetter präsentiert sich von sonnig bis regnerisch…:

… und es ist gut, dass es alle hundert Meter eine Weinstube gibt, die einige trockene Quadratmeter zum Geniessen eines (z.B.) herrlich bitzeligen Grünen Veltliners anbietet. Sporer sollte eine Filiale in Westerland eröffnen:

So ist der Nachmittag, nicht zuletzt wegen des zwischenzeitlich eingeschobenen Mittagsschlafs, schnell vorüber. Zum Abend noch ein Höflichkeitsbesuch in der Hotelbar zum Blogschreiben…:

… und danach mit Paul Theroux ab nach Guatemala.

P.S.: Ach ja, in SALZBURG.

 

 

Kommentare (2)

  1. Karin Lizon

    Hallo Hans,

    als leidenschaftliche Bahnfahrerin habe ich schon auf deinen neuen Reisebericht gewartet.

    Die Bahnfahrt nach Salzburg konnte ja mit solch einer Lektüre nur wie im Flug vergehen und zum Glück sind aus den Polstern der DB keine stechenden Wanzen und Spinnen gekrabbelt.

    Muss gerade an meine Fahrt mit dem
    ” Chepe Express ” durch eine der schönsten Bahnstrecken der Welt dem Mexikanischen Kupfer Canyon denken.

    Hans, wie man sieht hat dich Salzburg auch gebührend mit einem “Schnürlregen” empfangen, aber dafür hast du als erfahrener Reisefuchs wie immer eine Lösung, du widmest dich einfach dem
    Indoor – Programm und befriedigst mit Leckereien dein leibliches Wohl.
    Perfekt ❗

    Gisela und ich wünschen dir/euch noch eine erlebnisreiche Tour und freue uns jetzt schon auf deine tollen Fotos und interessanten Berichte.

    Liebe Grüße von Karin aus dem Rheinland.

    • Hans Jessel

      Liebe Karin, danke Dir für die geistig-moralische Unterstützung. Wir Weltreisenden verstehen uns! Nur hat es sich im Moment derart eingeschnürlt, dass ich, mittlerweile trotz Regenschirm windelweich genässt, gerade ins Hotel zurück gehechtet bin. Nun sitze ich vor der wärmenden Klimaanlage und taue mich auf. Wir hören, Hans

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