19. Februar: Auf der Kurpromenade nachts um halb zwei

Sylt liegt am nördlichen Rand des rasch durchziehenden Sturmtiefs und wird nur gelegentlich vom Orkan gestreift. Und zwar in dem Moment, als ich mich gegen 21 Uhr gerade entschlossen habe, nächtliche Ausflüge zu canceln, wegen Windarmut.

Auch tagsüber ist schon die große Warterei angesagt. Mächtige Schauer ziehen über die Insel, der Wind dreht zurück auf Südost, bleibt dabei aber im harmlosen Bereich:

Erst am späten Nachmittag springt der Wind innerhalb von Minuten nach Südwest und frischt sofort auf:

Auf der Promenade herrscht zwischen den Schauern fast  touristischer Normalbetrieb:

Dann werden die Bedingungen harscher. Und das Meer beginnt trotz ablaufenden Wassers zu steigen, und zwar sehr flink. Deutlichstes Anzeichen, dass der Sturm nunmehr im Anmarsch ist und das Wasser vor sich her schiebt:

Zum Sonnenuntergang ziehen bemerkenswerte Wolken durch, bei minutenweise spektakulären Lichtverhältnissen:

Dann geht dem Wind die Puste aus. Bis 21 Uhr sind’s durchschnittlich nur 5 Windstärken, von kräftigen Böen bis 8 Beaufort unterbrochen. Danach gehts los, ansatzlos und schlagartig, mit 9 Windstärken, Böen bis 11.

Um 0:30 Uhr erwache ich und lausche kurz dem Inferno vorm Schlafzimmerfenster, dann entscheide ich mich zum Aufbruch. Vor der Insel liegt ein Orkan-Windfeld der maximalen Kategorie, also Windgeschwindigkeiten von über 120 Stundenkilometern. Sämtliche Sturmklamotten liegen bereit, und raus geht’s zu einem der gefährlichsten Einsätze meiner Laufbahn, wie ich bald erfahre.
Die Luft über der Promenade ist komplett wassergesättigt. Die Gischt der über 10 Meter hoch aufsteigenden Wasserfontänen prasselt selbst auf der oberen Promanadenebene auf mich nieder. Hier der Blick nach Norden in Höhe Gosch:

Ungeheure Luftwirbel reißen mir mehrmals die Beine weg, plötzliche Luftlöcher verunsichern jeden Schritt:

Immerhin ich bleibe unter meiner wasserdichten Kleidung trocken, meine arme Leica M versuche ich mittels eines großen Handtuchs zu schützen, was nur mäßig gelingt. Ein Blick noch aufs Meer in Höhe Brandenburger Ecke:

Hier laufen die größten Wellen bis zur Promenade herauf, während ich mich nach dieser gewaltigen Frischluft-Einheit gegen 2 Uhr wieder auf den Heimweg mache.

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