… mit der Begrüßung der Gladiatoren im Ausgangsort RORSCHACH am Bodensee.
Von dort geht es die nächsten 8 Tage weiter bis nach INTERLAKEN im Kanton Bern – oder wusstet Ihr das auch schon? (Schallend-lach-Emoji) Das summiert sich auf knapp 200 Wanderkilometer über 7.000 zu absolvierende Höhenmeter. Die VIA JACOBI quert übrigens die gesamte Schweiz bis nach GENF, von dort geht es weiter über LYON bis nach ST. JEAN-PIED-DE-PORT.
Wir waren am gestrigen Abend im pittoresken ST. GALLEN stehen geblieben, hier noch schnell ein Blick auf das letzte Licht über dem Kathedralen-Vorplatz. Aus irgendeinem Übungsraum schallte laute Orcherstermusik über diese berückende Szenerie – was für ein Plätzchen zum Ende meiner Wanderung nach dem gefühlten Motto ‚Frieden auf Erden‘…:

Heute früh heisst es, zeitig zu erwachen, denn beim Versuch des Blogschreibens nach dem gemeinsamen Essen am gestrigen Abend fielen mir ganz einfach die Augen zu. So wurde dieses Vergnügen ab 5 Uhr nachgeholt, dann flugs gepackt und aufgeräumt – und um 7 Uhr stehe ich vor der puppigen Pilgerherberge, bereit zum Abmarsch. Hier ein Foto von Blogleser Hans K. mit den Worten:
„Lieber Herr Jessel,
da Sie uns Blog-Kinder so nett fragen, wage ich eine Antwort:
München Hbf – Rohrschach/Schweiz – St. Gallen/Pilgerherberge
Weiterhin eine gute und erlebnisreiche Zeit,
mit herzlichen Grüßen zu Hans von
Hans“
Foto: Hans K.
Ich fühle mich ehrlich gesagt ziemlich groß, wenn ich bei einer Eingangstür den Kopf einziehen muss…
Am Bahnhof trinke ich einen Kaffee, danach stehen noch 5 Kilometer durch den langgezogenen Ort auf dem Programm, immer dem „Nationalen Wanderweg Nr. 4“ folgend – hier quere ich gerade eine Laubenpieper-Siedlung, die schwer in Schuss ist:

Gegen 10 Uhr erreiche ich HERISAU…:

… und habe damit – nach knapp 12 absolvierten Kilometern – fast die Hälfte meiner heutigen Tour abgespult. Coffeetime ist angesagt:

Geeenau, ich befinde mich mittlerweile im Kanton APPENZELL-AUSSERRHODEN, einer der Herzkammern der Ur-Schweiz, von umliegenden Kantonär*Innen gerne als ziemlich konservativ belächelt: „Was, die haben schon das Frauen-Wahlrecht!?“ hörte ich beispielsweise mal…
Nach dem Verlassen Herisaus geht es das erste Mal so richtig in die Eisen. Es dauert nicht lange, und ich quere erstmals die 1.000m – Marke, stets mit Blick auf den gut 2.400m hohen SÄNTIS, der den Nordosten der Schweiz dominiert:

Verdächtig erscheint mir allerdings die weiße Wolke links des Berges. Auf den Azoren habe ich gelernt, dass derartige Wolken Regen ankündigen, und zwar innerhalb weniger Stunden…
Die offene Landschaft ist einfach nur zauberhaft. Der Weg, stets über die höchsten Erhebungen führend, bietet Ausblicke in alle Himmelsrichtungen…:

… und zeigt das nächste Ziel bereits locker eine Stunde vor dem Erreichen:

Jakobsweg vom Allerfeinsten! Gelegentlich kommt echtes John Wayne – Feeling auf, nur das Pferd fehlt:

Gegen 15:30 Uhr steige ich zu meinem Zielort ST. PETERZELL hinab. Fast eine halbe Stunde tingel‘ ich eine gut 15%ige Steigung bergab – eine schmerzhafte Angelegenheit für die 70-jährigen Knie:

Aber watt willste machen? St. Peterzell liegt an einem Flüsschen, und das hat sich seit der letzten Eiszeit tief eingeschnitten in die Landschaft.
Meine heutige Unterkunft, das LANDHAUS SCHÄFLE, ist eine wahre Appenzeller Schönheit und bereits seit Jahrhunderten ein Anlaufpunkt für Reisende und Pilger. Das habe ich mir jetzt mal verdient:

Keine 10 Minuten nach meiner Ankunft bricht ein Gewitter-Inferno aus. Begleitet von stundenlangem sintflutartigem Regen. Die ganze Nacht hindurch regnet es in Abständen, auch jetzt noch, um 5 Uhr am Morgen.
Da die Vorhersage weitere Regenfälle bis 9 oder 10 Uhr ankündigt, werde ich heute besser später aufbrechen, mal schauen…