3. Juni: Von St. Peterzell nach St. Gallenkappel (25 km)

Was den Stempel in meinem Pilgerausweis angeht, herrscht im Landgasthof Schäfle  Selbstbedienung. Draußen schüttet es weiterhin, also steht als nächste Veranstaltung das Frühstück auf dem Programm:

Ich bin ganz offensichtlich der einzige Gast des Hauses. Bald setzt sich der Hotelchef an den Tisch hinten links und wir schnacken ein wenig. Was nicht ganz leicht fällt: Er ist offenbar schwerhörig, und ich verstehe ihn – ebenso offenbar – nicht, wegen seiner gewöhnungsbedürftigen Appenzeller Mundart. Aber ich höre zumindest heraus, dass die Zeiten auch in der Schweiz schwerer werden, weil zum Einen viele Grundpreise steigen, während die Gäste preissensibler geworden sind. Überall das Gleiche.

Nach der zweiten Tasse Kaffee schaue ich mir nochmal das Regenradar an, und muss registrieren, dass ich noch bis zum frühen Nachmittag warten müsste, um einigermaßen trocken über den nächsten Hügel zu kommen.

Also breche ich um kurz nach 9 Uhr auf… „Tschüss St. Peterzell, war nett, Dich kennengelernt zu haben“:

Und das funkende und knallende Gewitter vom gestrigen Abend wird mir bleibend in Erinnerung bleiben. Hier der Temperatur- und Niederschlagsverlauf dieses Spektakels:

Es geht sozusagen von der Hoteltür aus steil bergan. Schnell bin ich in den Wolken und geniesse die 100%ige Luftfeuchte:

Erst als ich das Hotel Churfirst erreiche, weiss ich, dass der  „Gipfel“ nicht mehr fern ist:

Im Dauerregen geht’s dann wieder hinab nach WATTWIL, und zwar über diese Wiese direkt ins Ortszentrum, die als offizieller Wanderweg fungiert – herrlich:

Nach einer Kurztrocknung und einem Käffchen im örtlichen Migros-Markt geht es abermals in die Eisen. Vorbei an einer gewissermaßen provokanten Baustelle…:

… erreiche ich bald zum dritten Mal auf meiner Pilgertour die 1000m-Linie…:

… was in der Schweiz mehr als normal ist. Der Blick auf die wahren Bergriesen südlich meines Weges halten mir das vor Augen:

Beim vergleichsweise „gemächlichen“ Abstieg Richtung Zürichsee zeigen sich die vierbeinigen Zuschauer durchweg sehr interessiert an meinem Treiben. Gelegentlich auch nur deshalb, weil eine Kopfkraulung angesagt ist:

Die Sonne scheint nun immer öfter, auch wenn sich die Wolken etwas bedrohlich vor den Bergen stauen. Mit der älteren Dame links auf der Straße komme ich in ein längeres Gespräch, in dem es vornehmlich um die Schönheit der Schweizer Landschaft (von mir angestoßen) und die drohende Überfremdung des Landes (von ihr draufgesetzt) geht. Wir verstehen uns prächtig, besonders als herauskommt, dass ihre Freundin immer nach Sylt in den Urlaub fliegt… Nach gut 20 Minuten trennt uns ein plötzlicher Regenschauer: Sie flitzt flugs in ihr nahes Haus, und ich schmeiße mir abermals den Poncho über und wandere weiter talabwärts:

Und dann erlebe ich den schönsten Moment dieser heutigen Tour: Der Himmel reißt endgültig auf und in einer Wegkurve wird der Blick frei auf den Obersee, den östlichsten Teil des Zürichsees, den ich jedoch erst morgen erreichen werde:

In meinem Hotel in St. Gallenkappel werde ich von der Rezeptionistin mit offenen Armen empfangen. Sie entpuppt sich als gebürtige Husumerin und freut sich sichtbar, nach Jahren in der Fremde mal wieder einen Landsmann begrüßen zu dürfen.

Ich mache es mir in meinem Zimmer mit einen „quöllfrischen“ Appenzeller Bier gemütlich, sortiere dabei die am Tage entstandenen Fotos und lasse die Stationen meiner heutigen Wanderung nochmal an meinem geistigen Auge vorbeifliegen…:

 

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