29. Juli: Hier ist es schön?

Die Bundesstraße 76, die das Schleswig-Holsteinische Hügelland von Flensburg bis Lübeck durchschneidet, verbinde ich – als Radler – ausschließlich mit negativen Erinnerungen. Immer krachig, stinkig und überaus stark befahren… auch am heutigen Samstag, als ich sie ca. 6 Kilometer vor Preetz erreiche.

Der Radweg ist in ideenlosester Weise in steten 1,5 Metern Abstand von der Autotrasse konstruiert, und jeder Versuch, dem automobilen Inferno zu entgehen, scheitert für Streckenradler bereits beim Blick in eine Karte: Die alternativen Landstraßen von Dorf zu Dorf verlängern die Strecke derart, daß letztlich nur die „Augen zu und durch“ – Variante in Betracht kommt. Das heißt: Kilometer schreddern so schnell es geht,  bis es hinter Eutin endlich vorbei ist mit den Lärm- und Dreckemissionen. Unglücklicherweise las ich gerade jüngst einen Artikel über die neuesten Erkenntnisse zu den Auswirkungen des „Autoreifenabriebs“ in menschlichen Lungen. Das Zeug, zu Feinstaub pulverisiert, kennt nämlich nur den einen Weg: in die Lunge hinein, aber nie wieder heraus.

Als ich Preetz erreiche, bin ich bereits derart genervt von dem Spektakel, daß ich ohne Stop weiterfahre bis nach Plön. Dort gönne ich mir erstmal einen starken Kaffee…:

… und dann noch ein Schokoeis vor einem netten Italienischen Eiscafé:

Als ich mir im Anschluss noch den entzückenden Bahnhof mit dem traumhaften Seeblick anschaue,…

..sehe ich von Westen eine rabenschwarze Wolke heranziehen. Ein kurzer Blick in die Handy-Wetterkarte zeigt eine engumgrenzte Gewitterzelle, die  in spätestens 10 Minuten meinen Standort erreicht haben wird.

Also rauf aufs Rad und die 18 Kilometer nach Eutin auch noch abgeschrubbt. Auf den letzten Kilometern fällt der erste Regen, und nach Ankunft in Eutin kann ich gerade noch in eine zufällig offenstehende private Garage hechten, bevor ein zehnminütiger Weltuntergang beginnt:

Herrliche Stimmung am See nach dem Gewitterdurchzug:

Ich durchradel noch flink den Eutiner Schlosspark mit seiner gigantischen Lindenallee…:

… und biege nach wenigen Kilometern bei Röbel von der B76 ab. Ruhe iss! Nach 10 Minuten autofreier Radelei über schmale, ländliche Straßen geht’s mir spürbar besser. Dann noch eine steile Abfahrt und ich erreiche mein Fahrtziel Neustadt/Holstein (siehe heutiger Titel), dann den noch acht Kilometer entfernten Ortsteil Rettin, wo ich pünktlich zu Kaffee und Kuchen bei Freunden auf der Matte stehe.

 

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