9. April: „Hoppla!“ Ein Wochenende in Hannover

Unter den Urbanen Zentren des Landes findet Hannover seine Rolle im kollektiven Gedächtnis eher als Schnarch-Town der Nation, sozusagen als betonisierte Version einer gravierenden niedersächsischen Wesensart.

Als ich am vorgestrigen Samstag dem ICE im Hauptbahnhof bereits um 8:22 Uhr entsteige, verfestigt sich diese Charakterisierung zunächst. Ich wandere 10 Minuten durch nahezu menschenleere, gähnende Gassen zur sogenannten MARKTHALLE, bald hinterm KRÖPCKE  gelegen. Ein Fresstempel, der offenbar just die Tore geöffnet hat. Außer mir hat sich bereits Stephan eingefunden, der mich zum syrischen Frühstück lädt – bald kommen noch zwei weitere Freunde hinzu.

Im Anschluß an diese verdiente Stärkung wandere ich weiter zum NEUEN RATHAUS. Dort angekommen, frage ich mein Fussgänger-Navi, wie ich von hier, dem ultimativen Zentrum der Landeshauptstadt, auf möglichst grünen Pfaden nach IHME gelange, ein von hier aus 12 Kilometer entferntes Dorf vor den südlichen Toren der Stadt.

Nur Minuten später tauche ich ab ins Leine-Tal, erreiche nach halbstündiger Wanderung die einmündende Ihme…:

… folge ihrem Verlauf durch ein von Seen durchzogenes Renaturierungsgebiet alter Kiesgruben…:

… und erreiche nach fast dreistündiger Wanderung den WETTBERGER FORST, den ich – treu geleitet von meinem Navi – auf Schmalstpfaden kreuze und quere. Unglaublich. Einige Wege sind kaum zu erkennen; trotzdem bleibt es bei klaren Anweisungen. Fest steht: Solch eine Natur-Wanderung habe ich in einer Großstadt noch nie gemacht. Bravo Navi!

Ich übernachte bei Ihme-Stephan und nehme am Sonntagmorgen um 9 Uhr die S-Bahn von Wettbergen zum Stadtzentrum. Dort boxt der Papst – nix mehr Schnarch-Town: Der HANNOVER MARATHON ist gerade gestartet, insgesamt 25.000 Laufsportler nehmen an unterschiedlich langen Rennen teil, Remmidemmi mit lautstarker musikalischer Untermalung rund ums Neue Rathaus und Aegidientorplatz. Mein Hauptinteresse, und der eigentliche Grund meines Hierseins, gilt den DEUTSCHEN HALBMARATHON MEISTERSCHAFTEN. Nicht etwa, weil ICH  mitlaufen wollte, sondern wegen der Teilnahme zweier Läuferinnen, die seit Jahren für starke Leistungen bekannt sind.

Bei Deutschen Meisterschaften tritt die Elite der Nation an, dementsprechend schnell rast das Spitzenfeld kurz nach dem Start um 10:45 Uhr an mir vorbei:

Ich wechselˋ dann zum Kilometer 20,5, um dort das Leiden der Athleten, viele durchaus gereifteren Kalibers, hautnah zu erleben:

Und dann kommt sie, meine Lauffreundin Gunda aus Flensburg (F6063), mit der ich sooooo viele hundert Kilometer gelaufen bin. Trotz der Temperaturen von über 20 Grad wirkt sie noch ausgesprochen kontrolliert:

Kein Wunder, läuft sie doch seit über 25 Jahren, mit diversen Landesmeister-Titeln belohnt. Heute reicht’s für den 7. Rang in ihrer Alterklasse 55.

Zwischendurch erlebe ich den Zieleinlauf des Marathonsiegers aus Äthiopien. Hossa die Waldfee – was für ein Tempo! Dieser Mann hat gerade 42 Kilometer abgespult – mit 20 Stundenkilometern Durchschnitt:

Sensationsmeldung nun aber: Die geborene Sylterin Sandra Morchner (im Foto rechts), meine allmorgendliche Trainingspartnerin, gewinnt die Meisterschaften in einer Zeit, die bundesweit noch nie zuvor von einer Frau ihrer Altersklasse (W45) erreicht wurde, nämlich in 1:18;29 Std.. ! Ganz(!) große Gratulation auch von dieser Stelle, Bravo hoch drei:

 

Kommentare (4)

  1. Schöne Bericht und Gratulation an die beiden Läuferinnen!!!!

  2. Was für ein Sommerwochenende. Und dann noch mit dir, Hans. Wenn ein Profi die Turngruppe ins Visier nimmt, entsteht so ein sensationelles Sportbild, das einfach begeistert. Danke für die gemeinsam verbrachten Stunden und das herausragende Essen bei Stefan.

    • Hans Jessel

      Wird weiter geleitet, mein Lieber! „Sommerwochenende“, ja – das wars wirklich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.