Ein glücklicher Fotograf

Es ist ein Traum! Als ich gegen 18 Uhr den Strand nördlich von Klappholttal erreiche, sehe ich schon vom Übergang, von dem ich gute 10 Kilometer überblicken kann: Keine Menschenseele weit und breit. Herrlich. Schönes Arbeiten!

Mein ursprüngliches Vorhaben, am breiten Niedrigwasserstrand gen Kampen zu wandern, ist prompt gestrichen, denn ich sehe weit im Norden erste Strandkörbe am Strand stehen… die will ich mir mal anschauen:

Richtig entschieden! Der kräftige Wind der letzten Tage hat ganze Arbeit geleistet.

Dann passiert das, was in dieser Situation einfach nicht passieren darf: Links neben mir auf der Holzempore steht ein weiterer Fotograf – mit Stativ und schwerem Gepäck -, völlig konzentriert durch seine Linse Richtung Sonne, und mich(!) blickend. DER Abend ist versaut, graut es mir, gehe erstmal aus seinem Blickfeld und widme mit einige Körben weiter nördlich… in der Hoffnung, das der bald wieder verschwinden möge. Nix da! Der steht da immer noch wie angewurzelt, nimmt auch nichts um sich herum wahr!

15 Minuten später gehe ich zurück, spreche ihn an mit den Worten: “Ist DAS ein Waaaahnsinns-Abend, oder!?” Da öffnet sich in meinem Gegenüber ein derart begeistertes und sympathisches Gesicht, dass aller Groll über den störenden Zeitgenossen innerhalb einer Sekunde vergessen ist. Wir schnacken `ne Weile und sind uns komplett einig: Hier haben sich, an diesem menschenleeren Strand, zwei Männer mit gleicher Leidenschaft getroffen, die da heisst: Strandkörbe sind eigentlich nichts anderes als LAND-ART. Und die gehört abfotografiert! 😉

Oder!?

Wir fotografieren fast eine Stunde zusammen, jeder für sich – aber uns gegenseitig mit Freude betrachtend, wie wir mit allen möglichen Verrenkungen versuchen, die Situation in den (fotografischen) Griff zu bekommen. Wir sind so versunken in unserem Tun, dass ICH IDIOT nicht daran denke, von ihm ein Portrait zu schiessen, DAS hätte zu unserem Thema “Begegnungen” doch allerbest gepasst. Schiete! Aber wie sagte bereits Wim Wenders, der von mir unendlich Verehrte: “Die besten Fotos sind die nicht gemachten!” Recht hat er.

Beim Abgang vom Strand wartet noch das eigentliche Top-Bild des Abends auf mich. DAS allerdings verstehen nur Fotografen…:

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