12. Mai: Hans im Trogtal der Träume

KMehr(!) geht(!) nicht!  Wer Trogtäler liebt, was für einen Geografen eigentlich selbstverständlich ist, weil sie ein offenes Buch eiszeitlicher Landschaftsgeschichte sind, wird auf die Knie gehen, wenn er dieses Paradebeispiel durchwandern darf… so wie ich heute.

Aber fangen wir mal gaaanz früh an. Am Bahnhof in Aigle warte ich bald nach Sonnenaufgang auf den Zug nach VISP…:

Von dort geht’s durch den LÖTSCHBERG- Basistunnel nach SPIEZ. Das geht so: Der Zug fährt kurz nach der Bahnhofsausfahrt in den Tunnel und man sieht das Tageslicht erst 20 Minuten später, kurz vor der dortigen Einfahrt in den Bahnhof, auf der Alpen-Nordseite. Zugwechsel in Spiez nach INTERLAKEN, von dort sofort weiter nach LAUTERBRUNNEN ins gleichnamige Tal. So sieht es nach dem Heraustreten aus dem Bahnhof aus:

Keine Region der Alpen hat auf derart engem Raum eine höhere Reliefenergie vorzuweisen. Das Lauterbrunnental liegt auf etwa 900 m über NN, und die Bergriesen EIGER, MÖNCH und JUNGFRAU bringen es auf 4.000m – in nur 4 km Entfernung also über 3.000m Höhenunterschied. Da knarrt es im Gebälk!

Aber zum Trogtal: Diese entstanden, im Gegensatz zu den gaaanz normalen Flusstälern, durch die Ausschabung des Gesteins durch Gletscher im Eiszeitalter. Längst sind diese zurückgewichen, immer noch schicken die Eisriesen im Hintergrund jedoch ihre „Gletschermilch“ durch das Tal:

Die „Weisse Lütschine“ transportiert das geschmolzene Eis der gewaltigen Bergriesen in Richtung AARE, welche die Wässer über den RHEIN letztlich zur Nordsee leitet.

Die Bergwände sind 500 -800m hoch und derart steil, dass sie als Welt-Dorado für „Base – Jumper“ fungieren. Das sind diese Wahnsinnigen, die sich im freien Fall in die Tiefe stürzen, um erst im letzten Moment den Schirm zu öffnen:

Bei über 60 dieser Kandidaten hat das während der zurückliegenden 30 Jahre allerdings nicht funktioniert, möchte ich noch hinzufügen, weshalb ich mich dieser Bewegung auch nicht anschließen werde.

Aber zurück zum Wasser der WEISSEN LÜTSCHINE: Ca. 20.000 Kubikmeter Schmelzwasser aus einem Einzugsgebiet von knapp 25 Quadratkilometern fliessen zunächst nicht einfach so durch die Landschaft, sondern versickern in Höhlen aus kalkhaltigem Gestein und haben im Laufe von mehreren tausend Jahren ein wahres Labyrinth von unterirdischen Kanälen geschaffen, die heute als TRÜMMELBACHFÄLLE bekannt sind und sich als weltweit einzige Möglichkeit präsentieren, sich diesen eiskalten Höllenschlund untertage anzuschauen. Am heutigen Tage präsentierte sich das Folgendermaßen: Man tritt bei 25 Grad Außentemperatur in eines der Felslöcher und wird fauchend angeblasen mit höllenartiger Kaltluft und jeder Menge von Gletscherwasser-Aerosol von knapp über dem Gefrierpunkt und einem derart infernalischen Getöse, das den ganzen Fels zum vibrieren bringt:

Das ganze Spektakel ist über 6 Stockwerke zu verfolgen, die auf Treppenstiegen erklommen werden können:

Besonders die oberste Etage (mit natürlichem Lichteinfall) ist interessant, sieht man doch hier in ganzer Pracht, was das Schmelzwasser in früheren Epochen bereits angerichtet hat, längst aber in neuere Kanäle „umgezogen“ ist:

Eines steht nach Abschluss dieses Tages fest: Davon träume ich heute Nacht nochmal in Ruhe… und vielleicht schaue ich in diesen Tagen auch noch einmal dorthin.

 

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