19. August, nachmittags: Ooooh, sooo schööön ist…

… Noirmoutier? Neeee, es war ja das zweite Alleinstellungsmerkmal versprochen, und um das soll es heute gehen.

Nach einer knappen Stunde erreiche ich per bicyclette den südlichsten Ort der Insel, nämlich Barbâtre, sozusagen das Hörnum Noirmoutiers. Hier begrüßen mich bereits die ersten Warnschilder der „Passage du Gois“, einer europaweit (fast) einmaligen An- und Abfahrtsmöglichkeit zu einer Insel. Es ist ca. drei Stunden vor Niedrigwasser, und ab etwa  zwei bis eineinhalb Stunden vorher kann man sich auf die genau 4,2 Kilometer lange Tour zum Festland machen, über eine befestigte Trasse:

Logo bin ich am Wattufer nicht der erste. Es haben sich bereits einige private Muschel- und Meeresfrüchtesammler angefunden, die mit dem fallenden Wasser hinauslaufen in den Schlick:

Die Passage du Gois gibt’s schon seit dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Sie wurde früher in erster Linie für den Viehtrieb und den Warentransport genutzt. Bis heute hat sich rein äußerlich gar nicht viel geändert, auch die in Kilometerabständen errichteten Rettungstürme sehen heute noch ganz ähnlich aus:

Aber längst geht es weniger um Geschäfte, sondern ums reine Freizeitvergnügen, wie wir im Folgenden sehen werden:

Zunächst einmal sieht das Geschehen noch ganz entspannt aus, dann kommen zunächst einige Rennradfahrer, die es ihren Epigonen der Tour de France von 1993 und 2018 nachmachen wollen, die nämlich in jenen Jahren auf Noirmoutier mit der Passage du Gois begann:

Als die Radler bereits felgentief durchs Seewasser pflügen, kommt vom Festland her schon das erste Auto angebrettert. Mit bloßen Augen dachte ich zunächst, das sei ein Sportboot. Bitte verzeiht die Bildqualität, aber der war noch gut zwei Kilometer weg:

Nun gibt es kein Halten mehr: Nur eine Viertelstunde später setzt sich von beiden Ufern eine kilometerlange Blechlawine in Gang, die mein ursprüngliches Vorhaben einer Querung per Rad ad acta legt. Ohne Hans! Die ganze Zeit denke ich nur: Wie sensationell, daß Sylt nicht mit einem Autodamm mit dem Festland verbunden ist! DAS hätte uns gerade noch gefehlt:

Ich radle stattdessen über den „Polder de Sébastopol“ an der Ostseite der Insel gen Norden. Putziger Deich, mit Bäumen bewachsen – sieht man in unseren Breiten eher nicht.

Und sechs geöffnete Austern allerfrischester Herkunft inklusive eines Gläschens Muscadet und Brot/Butter/Essigtunke für € 10,- gibt’s in unseren Breiten auch nicht, schmeckt aber hier an der Produktionsstätte am besten:

Na wunderbar, da hat der Blogger doch am Abend auf dem Balkon wieder jede Menge zu schreiben, nach diesen geballten Erlebnissen. Merci beaucoup meiner Garderobiere für das gelungene Foto:

Zum Beispiel kann ich abschließend noch berichten, daß Noirmoutier noch etwas Außergewöhnliches im Angebot hat: Wer mal Anfang Mai in Paris gewesen ist, wird auf Märkten auf die Bonnotte – Kartoffel gestoßen sein, die „teuerste Kartoffel der Welt“, mit Algen gedüngt und regelmäßig während der dreimonatigen Wachstumsperiode ab Anfang Februar mit Seewasser begossen…. was wohl eher ein Marketing-Witz ist. Die Gesamternte Nourmoutiers liegt lediglich bei 100 Tonnen, und die Preise überschreiten regelmäßig die 100 – Euro – Marke… pro Kilo, wohlgemerkt.

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