8. Mai: Guten Morgen, Lugano… und tschüss!

Quatsch, ARRIVEDERCI LUGANO muss es natürlich heißen, hier im TICINO, dem italienisch sprechenden Kanton der Schweiz. Ich verlasse das schöne Brè in irgendwie melancholischer Stimmung, nachdem mir die Wirtin des Salotto Brè tatsächlich noch ein „frühes Frühstück“ serviert und – ungelogen – winkend auf der Terrasse steht, als sich der Bus pünktlich um 7:45 Uhr in Bewegung setzt.

Schon schade, gehen zu müssen… hätte es locker noch länger ausgehalten hier…

So geht es die Serpentinen am Monte Brè ein letztes Mal hinunter, während mir, und das wird neuerdings häufiger, durch den Kopf geht, ob ich noch jemals wieder hierher kommen werde? Und schlaglichtartig tauchen die Highlights meiner Stippvisite wieder auf, die italienisch giggernden Kinder beim Austreten aus der Bahnhofshalle mit dem schönsten „Vorplatz“ der Welt, der morgendliche Blick auf das noch schlafende Brè, die glasklaren Wässer des Verzascas… während ich durch das menschenleere Lugano in der Morgenkühle hinauf zum Bahnhof pilgere:

Dort angekommen, erreiche ich geraaade noch einen früheren Zug und fahre somit schon vor 9 Uhr in BELLINZONA ein. Am Postauto-Steig gleich linkerhand lehnt ein wahrer Bilderbuch-Schweizer an seinem Bus, die Hängepfeife qualmt im Morgenlicht vor einem freundlichen graubärtigen Gesicht, ich denke zunächst an einen Joke vom örtlichen Touristoffice. Aber nein, es ist der Fahrer des transalpinen Expressbusses nach CHUR, der sich gleich mit Vornamen (Bernharrrt) vorstellt und mir den Gepäckraum mit den Worten öffnet, in *auf die Uhr guck* drei Minuten ginge es los.

Es dauert nicht lang‘, da nähern wir uns bereits den ersten Dreitausendern, boaaah Hammer, watt für Kolosse!:

Diesen Teil meiner Reise hatte ich mir komplett anders vorgestellt. Serpentiniger sozusagen. Aber die Autobahn fräst sich einfach in nur schwach gekurvtem Verlauf durch diese überwältigende Bergwelt, kaum ist im Fahrverlauf ein anstrengenderer Anstieg wahrzunehmen – nur die kargere Vegetation verrät es – und wenn ein Berg zu sehr im Wege steht, geht es ganz einfach unten durch ihn hindurch. So kommen wir erstaunlich schnell voran, mit wenigen und echt nur kurzen Halten zwischendurch:

Bis Thusis bleibe ich an Bord, wo sich, O-Ton Bernharrrt, heute die „Ferro-Sexuellen“ ein Stelldichein geben. Mit lautem Postauto – Tatütata fahren wir auf den Provinz-Bahnhof zu, der einer einzigen Menschentraube gleicht. Auf ein Signal des Bahnhofs-Chefs prummelt sich Minuten später die gesamte versammelte Menge in den antiken Zug, und looooos geht’s wie in vorchristlichen Zeiten:

Selten so viele enthusiastisch begeisterte Männergesichter mit leuchtenden Kinderaugen gesehen wie heute, an einem ganz normalen Sonntagvormittag in happy Thusis.

Wie im Ohnsorgtheater fährt gleich im Anschluss der Nahverkehrszug nach St. Moritz ein. Das ist meiner! Über das Landwasser – Viadukt…:

… fahre ich mit bis FILISUR, wo bereits mein letzter Zug des heutigen Tages wartet, der mich innerhalb weniger Minuten nach MONSTEIN bringt. Hier werde ich ganz offenbar erwartet, wie nachfolgendes Foto beweist. Die Autorin gab ihm – berechtigterweise –  den Titel „Wo ist Hans!?“:

Fotos: Regula G.

Ein paar hundert Höhenmeter sind es schon, vom Monsteiner Bahnhof bis hinauf zum Ort, aber wenn es mir nicht gefiele, hätte ich ja zuhause bleiben können. Jedenfalls kann ich mich an Tage erinnern, an denen ich schon fertiger aussah als bei der heutigen Ankunft in 1.600 Metern Höhe:

Bin zum „Gschwellti mit Chäs“ eingeladen, dafür wäre ich auch noch über Gletscher gewandert…

 

 

 

 

 

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