9. Februar: Die sanfte Sabine

Es fängt am frühen Morgen an zu schütten, und der Wind frischt auch brav auf im Laufe des Vormittags… als ich gegen 14:30 Uhr (in einer kurzen Regenpause) auf die Promenade pilgere, stolpere ich zunächst über einen Katastrophen-Touri, der sich, mit drei Hunden an der Leine in der einen Hand, gerade erfolgreich(!) eine Zigarette anzündet. Ohne Windschatten. Bei einem Sturm, der sich so nennen dürfte, ein herzlich aussichtsloses Unterfangen.
Zwischen Strand- und Friedrichstraße drängelt sich das vornehmlich städtisch anmutende Publikum am Promenadengeländer. Mittendrin ein  Filmteam, das die Hoffnung längst hat fallen lassen, hier noch eine klimahistorisch bedeutsame Szene in den Kasten zu kriegen – zumal auch gerade der nächste Regenschauer dazwischen peitscht, welcher die versammelte Interessentenschar in Windeseile unter die Arkaden treibt.

Ungewöhnlich ist der schon wieder seit Tagen anhaltende Südwind, der mittlerweile gute acht Beaufort erreicht. Bei „normalen Stürmen“ ist die 180-Grad-Windrichtung eine Durchgangs-Situation, die von den Elementen in Stundenfrist abgehakt wird – nicht jedoch bei „Orkantief Sabine“: Es wird noch bis 18:30 Uhr dauern, als  endlich die angekündigte Kaltfront mit den ersten tatsächlich orkanartigen Böen über die Insel zieht, die auch unser Haus kurz erschüttern lassen…

Das Meer präsentiert sich in seltener Sideshore-Manier: „Smoker“ werden große Wellen an atlantischen Gestaden genannt, die bei seitlichen oder gar Gegenwinden ihre Fontänen so zauberhaft in die Luft werfen – ein in der Nordsee ebenfalls eher ungewöhnliches Phänomen, da es bei uns keinen Swell ferner Stürme gibt. Hier gibt’s hohe Wellen nur bei Rückenwind, und der kommt vor Sylt aus dem Westen.

Ich bleibe am Geländer und geniesse für Minuten dieses schöne Schauspiel, bis mich die stechenden Regentropfen vertreiben, die mir – gefühlt – wie Nägel auf die linke Gesichtshälfte schlagen… und nutze die sich bietende Gelegenheit, mir aus dem Café Wien ein Tablett mit ausgewählten Kuchen mitzunehmen, an dessen sicherem Heimtransport mich kein „Sturm“ dieser Art jemals hindern kann.

Die guten Meldungen: Sylt steht noch, in den kommenden Tagen ist durchgängig heftiger West(!)wind zu erwarten… und auch die Sonne dürfte sich mal zeigen, was schöne Fotos erwarten lässt. Das wäre doch mal was….!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.